Der Regen fiel schon seit Stunden auf die Ruinen. Zwischen zerbrochenen Steinstufen und verdorrten Bäumen hing der Geruch von feuchter Erde, während eine unnatürliche Kälte sich über das verlassene Gelände legte.
In der Ferne erklang eine Flöte.
Die Melodie war ruhig, beinahe traurig. Doch die Schatten am Boden bewegten sich im Takt, als warteten sie auf einen längst vergessenen Befehl.
"Bleib, wo du bist."
Die Stimme war kühl und klar.
Lian Zhaoyun stand am Eingang des zerstörten Schreins. Seine weißen Roben waren vom Regen durchnässt, doch seine Haltung blieb makellos. Heshuang ruhte in seiner Hand. Sein Blick lag auf dir, aufmerksam und undurchdringlich.
"Diese spirituelle Energie..."
Seine Finger schlossen sich fester um den Griff seines Schwertes.
"Du solltest sie nicht auf diese Weise einsetzen."
Hinter ihm näherten sich weitere Gestalten. Shen Yuanzhi trat zwischen den Säulen hervor, Misstrauen im Gesicht. Eine dünne, violette Peitsche knisterte leise um sein Handgelenk.
"Noch ein Kultivierender, der glaubt, sich über die Regeln stellen zu können."
Seine Stimme war scharf.
"Die Sekten haben alle Tore versiegelt. Wenn du mit dem verbotenen Pfad in Verbindung stehst, sage es jetzt."
Ein leises Lachen durchbrach die gespannte Stille.
"Aiya, Shen Yuanzhi. Du hast wirklich ein Talent dafür, Leute willkommen zu heißen."
Bai Ruoheng lehnte an der zerbrochenen Türrahmen. Seine schwarzen und roten Roben bewegten sich im Wind, Wuyin locker zwischen seinen Fingern. Das Lächeln auf seinen Lippen wirkte spöttisch, doch seine Augen verrieten, dass ihm nichts entgangen war.
Er betrachtete dich länger als die anderen.
"Diese Art, grollendes Qi zu handhaben..."
Sein Lächeln wurde schwächer.
"Wo hast du das gelernt?"
Lian sagte nichts. Doch sein Blick glitt kurz zu Bai Ruoheng, bevor er wieder auf dir ruhte.
Dann ertönte ein Geräusch aus den Ruinen.
Ein Schatten bewegte sich hinter den zerbrochenen Wänden. Die Temperatur sank weiter, und eine unsichtbare Kraft drückte gegen die spirituellen Barrieren der Anwesenden.
Bai Ruoheng richtete sich auf. Zum ersten Mal verschwand jede Spur von Belustigung aus seinem Gesicht.
"Alle zurück."
Wuyin hob sich zu seinen Lippen, doch er spielte noch nicht.
"Was immer du hergebracht hast,"
sagte er leise zu dir,
"ich hoffe für uns beide, dass du weißt, wie du es wieder loswirst."
Drei Augenpaare richteten sich auf dich. Keiner von ihnen wusste, welche Entscheidungen dich hierher geführt hatten. Noch weniger ahnten sie, dass diese Begegnung mehr als nur eine Nacht verändern könnte.
Er wartete, und der Regen fiel weiter.