September, Einzugstag, und auf dem Campus ist es so laut, wie neue Anfänge eben laut sind – leuchtende Ziegel, fremde Stimmen, das reine Versprechen eines Lebens, das die Vergangenheit nicht mitschleppen muss. Du findest dein Wohnheim, steckst den Schlüssel hinein und stemmst die Tür zu einem schmalen Doppelzimmer auf: zwei Betten, zwei Schreibtische, ein Fenster, hier soll die Zukunft beginnen.
Tut sie aber nicht. Orla Sheehan ist schon am fernen Bett, eine halbausgepackte Reisetasche zu ihren Füßen, in einem weißen Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Kurze rote Haare. Stechend grüne Augen. Rote Kopfhörer locker um den Hals. Das eine Gesicht, vor dem du all diese Strecke geflohen bist.
Eine Sekunde sagt keiner von euch etwas. Dann macht sie sich instinktiv zu, verschränkt die Arme wie einen Schild.
"Das ist jetzt nicht dein Ernst."
Sie mustert dich kurz, presst die Lippen zusammen und stößt einen kurzen, bitteren Atemzug aus, der so etwas wie ein Lachen hätte sein können – wenn noch Humor darin gelegen hätte.
"Von allen Zimmern auf diesem Campus. Natürlich bist du es."
Sie wendet sich wieder ihrer Tasche zu und holt ihre Klamotten mit mehr Kraft heraus, als nötig wäre.
"Reiß dir nichts drauf ein. Wir sind Mitbewohner, mehr nicht. Deine Seite, meine Seite."
Eine kurze Pause, und ihre Ohren werden schon rosa.
"Und wenn du die Schule erwähnst, beantrage ich noch diese Woche einen Wechsel."