Das Trikot ist schwarz, trägt seine Nummer, und bedeutet keineswegs das, was seine Teamkollegen denken. Du wohnst nun seit drei Jahren direkt neben Tyrone Marini: die Musik nach Mitternacht, das Auto einen Fuß über deiner Parkplatzlinie, die Mülltonnen, und der Sonntag, an dem seine gesamte Bank seine Küche füllte und deine Vorräte leerte. Dann hast du eine Wette verloren, er bat um eine harmlose Sache, und die ganze Eishalle drehte sich zu dir um. Er wird dir vom Eis zuzwinkern, einen Satz sagen und dann zu seinem Job zurückkehren. Am Ausgang nimmt das Tor das Trikot wieder zurück, hinter dir ist der Ausgang, und nichts von heute Nacht wird entschieden, außer du machst den ersten Schritt.
Seit drei Jahren wohnst du jetzt direkt neben Tyrone Marini. Drei Jahre zu lang, wenn du ehrlich bist. Denn Tyrone ist nicht einfach irgendein Nachbar. Er spielt Rechtsaußen bei den Coldharbour Kestrels, trägt die Nummer 13 und hat scheinbar das seltene Talent, dich binnen Sekunden auf die Palme zu bringen. Zu laute Musik nach Mitternacht. Seine Teamkollegen, die regelmäßig mit Pizza, Bier und viel zu viel Energie zum Zocken bis tief in die Nacht in seiner Wohnung auftauchen. Sein Auto, das ab und zu einen Tick zu nah an deiner Einfahrt geparkt steht. Und natürlich dieses selbstgefällige Grinsen, jedes Mal wenn du dich beschwerst. Leider steht es ihm viel zu gut. Ihr streitet über praktisch alles. Über Mülltonnen. Parkplätze. Musik. Seine Freunde. Und darüber, wer von euch beiden jetzt vollkommen unnötig wieder angefangen hat. Mittlerweile kennen die Kestrels dich deshalb auch – nicht wirklich gut, aber gut genug um dich zu grüßen, wenn sie zu Tyrone kommen – und gut genug, um eure ständigem verbalen Schlagabtäusche äußerst unterhaltsam zu finden. Besonders Morcant Salerno, Tyrones bester Freund, scheint jede einzelne davon zu genießen. Dann begehst du einen Fehler. Du gehst eine Wette mit Tyrone ein. Du warst eigentlich felsenfest überzeugt, dass du gewinnst. Hast du aber nicht. Tyrone natürlich schon. Seine Forderung ist überraschend harmlos. „Zieh bei meinem nächsten Spiel mein Trikot an.“ Mehr nicht. Keine peinliche Aktion. Keine öffentliche Demütigung. Kein albernes Kostüm. Nur sein schwarzes 13-Trikot. Damals lehnt Tyrone sich bloß mit verschränkten Armen in deinen Türrahmen und betrachtet dich mit diesem provozierenden Gesichtsausdruck. „Das ganze Spiel, Nachbarin.“ Das war alles. Und so hältst du dein Wort, mit der klaren Ansage, das Trikot am Ausgang wieder abzugeben. Am Spielabend ist The Kettle völlig außer Rand und Band. Das Stadion liegt im Dunkeln. Violette Laser schneiden übers Eis, während der riesige 3D-Kestrel scheinbar aus dem Boden emporbricht. Er schreit durch die Arena, schnappt nach dem Logo der Ironport Admirals und zerfetzt es unter tosendem Jubel. Dann explodieren Licht, Nebel und Bässe. Die Coldharbour Kestrels stürmen aufs Eis. Und du sitzt direkt hinter ihrer Bank. Im pechschwarzen Trikot. MARINI. 13. Die Reaktionen folgen fast sofort. Janos Scavone schaut dich an. Dann weg. Dann wieder zurück. Seine Augen werden groß. Er stößt Jericho Luciani mit dem Ellenbogen an. Jericho folgt seinem Blick – und sein Mund zieht sich langsam zu einem breiten Grinsen. Als nächstes fällt es Manolo auf. Dann Gilan. Innerhalb von Sekunden zieht sich etwas durch die ganze Bank. Blicke. Getuschel. Unterdrücktes Lachen. Plötzlich fühlt sich das schwarze Trikot deutlich auffälliger an als noch vor ein paar Minuten. In einer Spielunterbrechung kommt Morcant Salerno zur Bank. Er greift seine Wasserflasche, blickt auf – und entdeckt dich. Er erstarrt. Sein Blick fällt auf die 13. Dann auf dich. Dann wieder auf die Zahl. „Nein.“ Odran dreht sich zu ihm. Morcant deutet einfach auf dich. „Sie trägt es.“ Jetzt drehen sich auch Taliesin und Jovian um. Janos lehnt sich schon halb über die Bande. „Das ist so verdammt gut.“ Morcant tritt näher und mustert dich, als wärst du mit einem Verlobungsring aufgetaucht. „Bitte sag mir, Marini hat dir erklärt, was das bedeutet.“ Dein Schweigen ist Antwort genug. Jericho lacht leise. „Natürlich nicht.“ Gilan grinst breit. „Typisch Marini.“ Morcant reibt sich das Gesicht. „Tyrone lässt sonst niemanden dieses Trikot tragen.“ Janos legt gleich nach. „Und mit niemanden meint er wirklich niemanden.“ Morcant schüttelt den Kopf. „Vor zwei Jahren wollte das Marketing für eine Aktion personalisierte Marini-Trikots machen. Er hat es abgelehnt.“ Jericho lehnt sich etwas weiter vor. „Weil unser lieber Tyrone betrunken mal erklärt hat, dass sein echtes Trikot nur von einer Frau getragen wird.“ Eine kurze Pause. Janos grinst noch breiter. „Seiner zukünftigen Ehefrau.“ Plötzlich wirkt diese verlorene Wette gar nicht mehr so harmlos. Genau in diesem Moment crasht ein Admirals-Spieler gegen die Bande. Tyrone stößt ihn zurück, reißt sich los und fährt auf die Bank zu. Sein helles Haar klebt ihm leicht verschwitzt an der Stirn. Sein Atem geht schwer, Adrenalin schwingt noch in jeder Bewegung. Dann hebt er den Blick. Direkt zu dir. Seine hellen Augen gleiten langsam über das Trikot. Über seinen Namen. Über seine Nummer. Und jenes arrogante, provozierende Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. Morcant ruft ihm irgendwas zu. Tyrone ignoriert ihn vollkommen. Er hebt nur leicht das Kinn, hält deinem Blick stand und zwinkert dir zu. Dann formt er lautlos: „Steht dir.“ Als hätte er die ganze Zeit genau gewusst, was er da tut. Vielleicht waren eure ständigen Streitereien für Tyrone nie nur Streitereien. Vielleicht war das Trikot nie eine Strafe. Vielleicht war die ganze Wette von Anfang an nur ein Vorwand. Denn, wenn Tyrones Team die Wahrheit sagt… warum sollte er unbedingt ausgerechnet dich in seiner 13 sehen wollen?
Das Trikot ist schwarz, trägt seine Nummer, und bedeutet keineswegs das, was seine Teamkollegen denken. Du wohnst nun seit drei Jahren direkt neben Tyrone Marini: die Musik nach Mitternacht, das Auto einen Fuß über deiner Parkplatzlinie, die Mülltonnen, und der Sonntag, an dem seine gesamte Bank seine Küche füllte und deine Vorräte leerte. Dann hast du eine Wette verloren, er bat um eine harmlose Sache, und die ganze Eishalle drehte sich zu dir um. Er wird dir vom Eis zuzwinkern, einen Satz sagen und dann zu seinem Job zurückkehren. Am Ausgang nimmt das Tor das Trikot wieder zurück, hinter dir ist der Ausgang, und nichts von heute Nacht wird entschieden, außer du machst den ersten Schritt.
Seit drei Jahren wohnst du jetzt direkt neben Tyrone Marini. Drei Jahre zu lang, wenn du ehrlich bist. Denn Tyrone ist nicht einfach irgendein Nachbar. Er spielt Rechtsaußen bei den Coldharbour Kestrels, trägt die Nummer 13 und hat scheinbar das seltene Talent, dich binnen Sekunden auf die Palme zu bringen. Zu laute Musik nach Mitternacht. Seine Teamkollegen, die regelmäßig mit Pizza, Bier und viel zu viel Energie zum Zocken bis tief in die Nacht in seiner Wohnung auftauchen. Sein Auto, das ab und zu einen Tick zu nah an deiner Einfahrt geparkt steht. Und natürlich dieses selbstgefällige Grinsen, jedes Mal wenn du dich beschwerst. Leider steht es ihm viel zu gut. Ihr streitet über praktisch alles. Über Mülltonnen. Parkplätze. Musik. Seine Freunde. Und darüber, wer von euch beiden jetzt vollkommen unnötig wieder angefangen hat. Mittlerweile kennen die Kestrels dich deshalb auch – nicht wirklich gut, aber gut genug um dich zu grüßen, wenn sie zu Tyrone kommen – und gut genug, um eure ständigem verbalen Schlagabtäusche äußerst unterhaltsam zu finden. Besonders Morcant Salerno, Tyrones bester Freund, scheint jede einzelne davon zu genießen. Dann begehst du einen Fehler. Du gehst eine Wette mit Tyrone ein. Du warst eigentlich felsenfest überzeugt, dass du gewinnst. Hast du aber nicht. Tyrone natürlich schon. Seine Forderung ist überraschend harmlos. „Zieh bei meinem nächsten Spiel mein Trikot an.“ Mehr nicht. Keine peinliche Aktion. Keine öffentliche Demütigung. Kein albernes Kostüm. Nur sein schwarzes 13-Trikot. Damals lehnt Tyrone sich bloß mit verschränkten Armen in deinen Türrahmen und betrachtet dich mit diesem provozierenden Gesichtsausdruck. „Das ganze Spiel, Nachbarin.“ Das war alles. Und so hältst du dein Wort, mit der klaren Ansage, das Trikot am Ausgang wieder abzugeben. Am Spielabend ist The Kettle völlig außer Rand und Band. Das Stadion liegt im Dunkeln. Violette Laser schneiden übers Eis, während der riesige 3D-Kestrel scheinbar aus dem Boden emporbricht. Er schreit durch die Arena, schnappt nach dem Logo der Ironport Admirals und zerfetzt es unter tosendem Jubel. Dann explodieren Licht, Nebel und Bässe. Die Coldharbour Kestrels stürmen aufs Eis. Und du sitzt direkt hinter ihrer Bank. Im pechschwarzen Trikot. MARINI. 13. Die Reaktionen folgen fast sofort. Janos Scavone schaut dich an. Dann weg. Dann wieder zurück. Seine Augen werden groß. Er stößt Jericho Luciani mit dem Ellenbogen an. Jericho folgt seinem Blick – und sein Mund zieht sich langsam zu einem breiten Grinsen. Als nächstes fällt es Manolo auf. Dann Gilan. Innerhalb von Sekunden zieht sich etwas durch die ganze Bank. Blicke. Getuschel. Unterdrücktes Lachen. Plötzlich fühlt sich das schwarze Trikot deutlich auffälliger an als noch vor ein paar Minuten. In einer Spielunterbrechung kommt Morcant Salerno zur Bank. Er greift seine Wasserflasche, blickt auf – und entdeckt dich. Er erstarrt. Sein Blick fällt auf die 13. Dann auf dich. Dann wieder auf die Zahl. „Nein.“ Odran dreht sich zu ihm. Morcant deutet einfach auf dich. „Sie trägt es.“ Jetzt drehen sich auch Taliesin und Jovian um. Janos lehnt sich schon halb über die Bande. „Das ist so verdammt gut.“ Morcant tritt näher und mustert dich, als wärst du mit einem Verlobungsring aufgetaucht. „Bitte sag mir, Marini hat dir erklärt, was das bedeutet.“ Dein Schweigen ist Antwort genug. Jericho lacht leise. „Natürlich nicht.“ Gilan grinst breit. „Typisch Marini.“ Morcant reibt sich das Gesicht. „Tyrone lässt sonst niemanden dieses Trikot tragen.“ Janos legt gleich nach. „Und mit niemanden meint er wirklich niemanden.“ Morcant schüttelt den Kopf. „Vor zwei Jahren wollte das Marketing für eine Aktion personalisierte Marini-Trikots machen. Er hat es abgelehnt.“ Jericho lehnt sich etwas weiter vor. „Weil unser lieber Tyrone betrunken mal erklärt hat, dass sein echtes Trikot nur von einer Frau getragen wird.“ Eine kurze Pause. Janos grinst noch breiter. „Seiner zukünftigen Ehefrau.“ Plötzlich wirkt diese verlorene Wette gar nicht mehr so harmlos. Genau in diesem Moment crasht ein Admirals-Spieler gegen die Bande. Tyrone stößt ihn zurück, reißt sich los und fährt auf die Bank zu. Sein helles Haar klebt ihm leicht verschwitzt an der Stirn. Sein Atem geht schwer, Adrenalin schwingt noch in jeder Bewegung. Dann hebt er den Blick. Direkt zu dir. Seine hellen Augen gleiten langsam über das Trikot. Über seinen Namen. Über seine Nummer. Und jenes arrogante, provozierende Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. Morcant ruft ihm irgendwas zu. Tyrone ignoriert ihn vollkommen. Er hebt nur leicht das Kinn, hält deinem Blick stand und zwinkert dir zu. Dann formt er lautlos: „Steht dir.“ Als hätte er die ganze Zeit genau gewusst, was er da tut. Vielleicht waren eure ständigen Streitereien für Tyrone nie nur Streitereien. Vielleicht war das Trikot nie eine Strafe. Vielleicht war die ganze Wette von Anfang an nur ein Vorwand. Denn, wenn Tyrones Team die Wahrheit sagt… warum sollte er unbedingt ausgerechnet dich in seiner 13 sehen wollen?
