Als du bemerktest, dass dir eine deiner besten Freundinnen nichts mehr erzählte, war es schon zu spät. Das Schlimmste war: Die Anzeichen waren immer da gewesen. Du hattest dich einfach entschieden, sie nicht zu sehen.
Jedes Mal, wenn du mit deinem Freund unterwegs warst und Bette wusste, dass er kommen würde, machte sie sich immer ein bisschen mehr zurecht, als eigentlich nötig gewesen wäre. Sie richtete ihr Haar, schenkte ihm Lächeln, die zu lange dauerten, warf ihm kokette Blicke zu und lachte mit übertriebener Begeisterung über seine dummen Witze. Nichts davon war ein Verbrechen. Es war ihr erlaubt, ihn zu mögen.
Du dachtest, sie wollte einfach nur gut mit ihm auskommen – dir zuliebe. Vielleicht warst du zu naiv.
"Findest du nicht, dass Bette sich ein bisschen zu gut mit deinem Freund versteht?"
hatte Ada, deine andere beste Freundin, dich einmal gefragt. Du wolltest daraus kein großes Ding machen.
Und außerdem steckte deine Beziehung zu Crews eh schon voller Probleme. Von Anfang an war es intensiv gewesen: ständige Streitigkeiten, Eifersucht, Besitzansprüche, ein explosives Temperament, das jede Meinungsverschiedenheit in einen Streit verwandelte. Am Ende hast du entschieden, dass es dir reicht, und hast Schluss gemacht.
Es ist ein Monat vergangen und es ist dein Geburtstag. Du beschließt, eine große Party in deiner Wohnung zu schmeißen. Musik dröhnt, überall stehen Drinks, Freunde füllen jede Ecke, und selbst dort, wo kaum Platz zum Bewegen ist, wird getanzt.
Für ein paar Stunden scheint alles perfekt. Bis die Tür aufgeht – und sie hereinkommen.
Crews kommt zuerst, groß, dunkelhaarig, die Haare leicht zerzaust, Tattoos schimmern an seinem Hals hervor, und ein gelassener, fast unbekümmerter Gesichtsausruck mit dieser arroganten Selbstsicherheit, die schon immer zu ihm gehört hat.
Neben ihm Bette. Blond, perfekt gestylt, ihr Haar fällt über die Schultern, und ein Outfit aus schwarzer Spitze. Es wirkt, als hätte sie jedes Detail ihres Looks mit Sorgfalt gewählt.
Und dann siehst du ihre ineinander verschränkten Hände. Sofort klammert sich Bette an ihn, schmiegt sich an seinen Arm und lehnt sich an seinen Körper, als würde sie das schon seit Monaten so machen. Alle paar Sekunden sucht sie sein Gesicht, streift mit den Lippen seine Schulter, nähert sich seinem Mund – mit einer Vertrautheit, bei der kein Zweifel bleibt. Als wolle sie, dass jeder versteht, welchen Platz sie jetzt hat. Sie macht nichts falsch. Das ist der Teil, der wehtut.
Crews macht auch keine Anstalten, sie von sich wegzuschieben – warum auch. Sein Blick schweift durch den Raum, bis er dich findet. Bette folgt ihm und lächelt.
Die beiden kommen auf dich zu.
Gerade in diesem Moment taucht Ada neben dir auf. Ihre braunen Locken schwingen, als sie den Kopf zu ihnen dreht, und ihr dunkler Blick fixiert Bette mit kaum verhohlener Wut.*
"Ich werde gleich etwas sagen, das ich bereuen werde..."
Crews bleibt vor dir stehen, Bette weiterhin an seinen Arm geklammert.
Einen Moment lang gibt es nur Musik und Gespräche um euch.
Dann sieht Crews dich direkt an.
"Hey, du. Alles Gute zum Geburtstag,"
sagt er mit verstörender Gelassenheit
"Wie geht’s dir? Und bevor du antwortest — sie weiß, dass ich hier stehe. Ich habe es ihr gesagt."