Fünfundzwanzig Jahre Freundschaft, ein gemeinsames Haus und ein viertes Schlafzimmer, das leer steht. Er stellt dir die Frage, während die Pizza zwischen euch kalt wird, und dann hört er auf zu reden und wartet.
Er hat Häuser entworfen, die mehr kosten, als manche Menschen in ihrem ganzen Leben verdienen, und doch sitzt er hier auf dem Boden seines eigenen Wohnzimmers und isst Pizza aus dem Karton, weil er es seit drei Wochen nicht schafft, endlich einen verdammten Esstisch zu bestellen. Prioritäten. „Bevor du was sagst: Der Tisch ist schon ausgesucht.“ Er nimmt sich noch ein Stück Pizza aus dem Karton zwischen euch und lehnt sich an die Wand zurück. „Ich muss ihn nur noch bestellen.“ Kurze Pause. „Seit elf Tagen.“ Okay. Vielleicht ist das kein besonders gutes Argument. Das Haus um euch herum ist inzwischen fast fertig. Sein Haus. Nach Monaten voller Entwürfe, Baustaub, Entscheidungen über Holz, Stein, Licht, Fenster und ungefähr achttausend Fragen, bei denen Leute tatsächlich erwartet haben, dass er weiß, welcher verdammte Türgriff seine Essenz am besten widerspiegelt. Jetzt stehen hier und da noch ein paar Kartons herum, einige Wände sind noch ohne Bilder, und seine Küchenschublade sieht aus, als hätte jemand beim Erdbeben Besteck hineingeworfen. Also praktisch: bezugsfertig. Du hast das alles oft genug miterlebt, um diesen Wahnsinn zu kennen. Was nach fünfundzwanzig Jahren Freundschaft auch kaum verwundert. Ihr kennt euch, seit ihr beide fünf wart. Du kennst ihn seit den Zeiten, in denen er fest davon überzeugt war, dass blondierte Spitzen eine gute Idee sind. Du hast seine ersten katastrophalen Dates gesehen, später die Jahre, in denen Dates selten lang genug waren, um katastrophal zu werden, sein Studium, die Gründung des Studios, seine Familie, Aveline. Vor allem Aveline. Fast drei Jahre. Die einzige Frau, wegen der er irgendwann aufgehört hat zu überlegen, ob es ein Danach gibt, und stattdessen angefangen hat, sich Gedanken darüber zu machen, wie es aussehen könnte. Bis sie herausgefunden haben, dass es einen einzigen Punkt gibt, bei dem sie keinen Kompromiss finden. Kinder. Sie wollte keine. Er schon. Nicht vielleicht. Nicht irgendwann, falls es ins Leben passt. Er will Vater werden. Also haben sie etwas beendet, das sonst funktioniert hat. Scheiße, das hat wehgetan. Manchmal tut es das immer noch. Aber Aveline lag nicht falsch, und er auch nicht. Ihre Zukünfte sind nur irgendwann nicht mehr die gleichen gewesen. Sein Blick schweift an dir vorbei. Den Flur entlang. Da ist eine offene Tür. Dahinter liegt der einzige Raum im Haus, der wirklich leer geblieben ist. Vier Schlafzimmer waren für einen Single mit dreißig wahrscheinlich etwas optimistisch. Das hat er oft genug zu hören bekommen. Er beißt ab und kaut langsamer, während er zur offenen Tür sieht. Seit Tagen weiß er, dass er dieses Gespräch heute führen will. Seit Tagen überlegt er, wie. Er hatte bessere Einstiege. Viel bessere. Davon ist keiner mehr übrig. „Kinderzimmer.“ Das Wort rutscht einfach heraus. Er dreht den Kopf zu dir. Normalerweise würde jetzt irgendein dummer Spruch kommen. Ein Grinsen. Irgendetwas, das das Ganze wieder leichter macht. Nicht diesmal. Er legt sein Pizzastück zurück in den Karton. „Dafür ist der Raum gedacht.“ Da ist es. Jetzt ist es gesagt. Er reibt sich einmal die Hände an der Jeans ab, bevor er die Unterarme auf die angezogenen Knie stützt. Verdammt, Arrowsmith. Er hält Vorträge vor Leuten, die ihm siebenstellige Beträge für ein Design überweisen, und ausgerechnet vor der Person, die er seit fünfundzwanzig Jahren kennt, fühlt er sich plötzlich wie siebzehn. „Ich will ein Kind.“ Seine Stimme ist ruhiger, als er sich fühlt. „Nicht morgen. Und ich habe mir auch nicht heimlich irgendwo ein Baby bestellt.“ Da ist er, der blöde Reflex. Der Mundwinkel zuckt für einen Moment. Dann wird er wieder ernst. „Nach Aveline habe ich angefangen zu überlegen, warum ich eigentlich auf die nächste richtige Beziehung warte. Ob ich wirklich eine Partnerin brauche, bevor ich Vater werden kann.“ Er greift nach der Bierflasche, dreht sie einmal zwischen den Fingern und stellt sie dann wieder ab, ohne zu trinken. „Also habe ich recherchiert.“ Das ist vermutlich die Untertreibung des Jahres. „Optionen. Kosten. Arbeit. Kinderbetreuung. Juristisches. Der ganze verdammte unromantische Teil, über den man wahrscheinlich lieber nachdenken sollte, bevor man sich entscheidet, für einen anderen Menschen verantwortlich zu sein.“ Und er ist immer wieder bei derselben Frage gelandet. Mit wem? Nicht irgendeine Frau. Nicht die nächste Person, in die er sich vielleicht irgendwann verliebt. Wem vertraut er genug, um sich für den Rest seines Lebens auf etwas einzulassen, von dem man nicht einfach weggeht, wenn es kompliziert wird? Die Antwort war so offensichtlich, dass er sie erst für komplett verrückt hielt. Dann hat er versucht, eine bessere zu finden. Hat nicht geklappt. Er sieht dich an. Und plötzlich merkt er ganz genau, was er mit seinen nächsten Worten riskieren könnte. Nicht irgendein Date. Keine Beziehung von ein paar Monaten. Fünfundzwanzig verdammte Jahre. Vielleicht lachst du. Vielleicht hältst du ihn für komplett verrückt. Vielleicht sagst du nein. Damit kann er leben. Was ihm deutlich weniger gefällt, ist die Vorstellung, dass diese Frage etwas zwischen euch kaputtmachen könnte, das seit eurer Kindheit funktioniert. Trotzdem will er sie stellen. Er atmet einmal langsam aus. „Okay.“ Er fährt sich durch die Haare. „Das wird entweder eine der besten oder eine der bescheuertsten Fragen, die ich dir je gestellt habe.“ Er hält deinem Blick stand. Kein Grinsen mehr. Kein Auswegsspruch. Nur er. „Ich will nicht wissen, ob du mit mir zusammen sein willst.“ Eine Sekunde. „Ich will wissen, ob du dir vorstellen könntest, ein Kind mit mir zu haben.“ Er füllt die nächste Sekunde nicht aus. „Nein ist eine vollständige Antwort und kostet dich nichts — nicht das Haus, nicht die fünfundzwanzig Jahre.“ Dann hört er auf, wartet, und sieht nicht weg.
Fünfundzwanzig Jahre Freundschaft, ein gemeinsames Haus und ein viertes Schlafzimmer, das leer steht. Er stellt dir die Frage, während die Pizza zwischen euch kalt wird, und dann hört er auf zu reden und wartet.
Er hat Häuser entworfen, die mehr kosten, als manche Menschen in ihrem ganzen Leben verdienen, und doch sitzt er hier auf dem Boden seines eigenen Wohnzimmers und isst Pizza aus dem Karton, weil er es seit drei Wochen nicht schafft, endlich einen verdammten Esstisch zu bestellen. Prioritäten. „Bevor du was sagst: Der Tisch ist schon ausgesucht.“ Er nimmt sich noch ein Stück Pizza aus dem Karton zwischen euch und lehnt sich an die Wand zurück. „Ich muss ihn nur noch bestellen.“ Kurze Pause. „Seit elf Tagen.“ Okay. Vielleicht ist das kein besonders gutes Argument. Das Haus um euch herum ist inzwischen fast fertig. Sein Haus. Nach Monaten voller Entwürfe, Baustaub, Entscheidungen über Holz, Stein, Licht, Fenster und ungefähr achttausend Fragen, bei denen Leute tatsächlich erwartet haben, dass er weiß, welcher verdammte Türgriff seine Essenz am besten widerspiegelt. Jetzt stehen hier und da noch ein paar Kartons herum, einige Wände sind noch ohne Bilder, und seine Küchenschublade sieht aus, als hätte jemand beim Erdbeben Besteck hineingeworfen. Also praktisch: bezugsfertig. Du hast das alles oft genug miterlebt, um diesen Wahnsinn zu kennen. Was nach fünfundzwanzig Jahren Freundschaft auch kaum verwundert. Ihr kennt euch, seit ihr beide fünf wart. Du kennst ihn seit den Zeiten, in denen er fest davon überzeugt war, dass blondierte Spitzen eine gute Idee sind. Du hast seine ersten katastrophalen Dates gesehen, später die Jahre, in denen Dates selten lang genug waren, um katastrophal zu werden, sein Studium, die Gründung des Studios, seine Familie, Aveline. Vor allem Aveline. Fast drei Jahre. Die einzige Frau, wegen der er irgendwann aufgehört hat zu überlegen, ob es ein Danach gibt, und stattdessen angefangen hat, sich Gedanken darüber zu machen, wie es aussehen könnte. Bis sie herausgefunden haben, dass es einen einzigen Punkt gibt, bei dem sie keinen Kompromiss finden. Kinder. Sie wollte keine. Er schon. Nicht vielleicht. Nicht irgendwann, falls es ins Leben passt. Er will Vater werden. Also haben sie etwas beendet, das sonst funktioniert hat. Scheiße, das hat wehgetan. Manchmal tut es das immer noch. Aber Aveline lag nicht falsch, und er auch nicht. Ihre Zukünfte sind nur irgendwann nicht mehr die gleichen gewesen. Sein Blick schweift an dir vorbei. Den Flur entlang. Da ist eine offene Tür. Dahinter liegt der einzige Raum im Haus, der wirklich leer geblieben ist. Vier Schlafzimmer waren für einen Single mit dreißig wahrscheinlich etwas optimistisch. Das hat er oft genug zu hören bekommen. Er beißt ab und kaut langsamer, während er zur offenen Tür sieht. Seit Tagen weiß er, dass er dieses Gespräch heute führen will. Seit Tagen überlegt er, wie. Er hatte bessere Einstiege. Viel bessere. Davon ist keiner mehr übrig. „Kinderzimmer.“ Das Wort rutscht einfach heraus. Er dreht den Kopf zu dir. Normalerweise würde jetzt irgendein dummer Spruch kommen. Ein Grinsen. Irgendetwas, das das Ganze wieder leichter macht. Nicht diesmal. Er legt sein Pizzastück zurück in den Karton. „Dafür ist der Raum gedacht.“ Da ist es. Jetzt ist es gesagt. Er reibt sich einmal die Hände an der Jeans ab, bevor er die Unterarme auf die angezogenen Knie stützt. Verdammt, Arrowsmith. Er hält Vorträge vor Leuten, die ihm siebenstellige Beträge für ein Design überweisen, und ausgerechnet vor der Person, die er seit fünfundzwanzig Jahren kennt, fühlt er sich plötzlich wie siebzehn. „Ich will ein Kind.“ Seine Stimme ist ruhiger, als er sich fühlt. „Nicht morgen. Und ich habe mir auch nicht heimlich irgendwo ein Baby bestellt.“ Da ist er, der blöde Reflex. Der Mundwinkel zuckt für einen Moment. Dann wird er wieder ernst. „Nach Aveline habe ich angefangen zu überlegen, warum ich eigentlich auf die nächste richtige Beziehung warte. Ob ich wirklich eine Partnerin brauche, bevor ich Vater werden kann.“ Er greift nach der Bierflasche, dreht sie einmal zwischen den Fingern und stellt sie dann wieder ab, ohne zu trinken. „Also habe ich recherchiert.“ Das ist vermutlich die Untertreibung des Jahres. „Optionen. Kosten. Arbeit. Kinderbetreuung. Juristisches. Der ganze verdammte unromantische Teil, über den man wahrscheinlich lieber nachdenken sollte, bevor man sich entscheidet, für einen anderen Menschen verantwortlich zu sein.“ Und er ist immer wieder bei derselben Frage gelandet. Mit wem? Nicht irgendeine Frau. Nicht die nächste Person, in die er sich vielleicht irgendwann verliebt. Wem vertraut er genug, um sich für den Rest seines Lebens auf etwas einzulassen, von dem man nicht einfach weggeht, wenn es kompliziert wird? Die Antwort war so offensichtlich, dass er sie erst für komplett verrückt hielt. Dann hat er versucht, eine bessere zu finden. Hat nicht geklappt. Er sieht dich an. Und plötzlich merkt er ganz genau, was er mit seinen nächsten Worten riskieren könnte. Nicht irgendein Date. Keine Beziehung von ein paar Monaten. Fünfundzwanzig verdammte Jahre. Vielleicht lachst du. Vielleicht hältst du ihn für komplett verrückt. Vielleicht sagst du nein. Damit kann er leben. Was ihm deutlich weniger gefällt, ist die Vorstellung, dass diese Frage etwas zwischen euch kaputtmachen könnte, das seit eurer Kindheit funktioniert. Trotzdem will er sie stellen. Er atmet einmal langsam aus. „Okay.“ Er fährt sich durch die Haare. „Das wird entweder eine der besten oder eine der bescheuertsten Fragen, die ich dir je gestellt habe.“ Er hält deinem Blick stand. Kein Grinsen mehr. Kein Auswegsspruch. Nur er. „Ich will nicht wissen, ob du mit mir zusammen sein willst.“ Eine Sekunde. „Ich will wissen, ob du dir vorstellen könntest, ein Kind mit mir zu haben.“ Er füllt die nächste Sekunde nicht aus. „Nein ist eine vollständige Antwort und kostet dich nichts — nicht das Haus, nicht die fünfundzwanzig Jahre.“ Dann hört er auf, wartet, und sieht nicht weg.
