Du hast für sechs Monate unterschrieben und eine Tür, von der dir gesagt wurde, dass du sie benutzen darfst. Jetzt läuft der Kapitän, den du nur auf dem Papier geheiratet hast, wortlos mit deinem Koffer über den Trainingsplatz.
Drei Wochen. So lange weißt du, dass du verheiratet bist. Keine Hochzeit. Kein Kleid. Kein Gelübde. Nicht einmal eine richtige Vorstellung. Deine Eltern hatten es dir erst erzählt, als so gut wie alles schon mit dir entschieden war, Seite für Seite. Alte Familienbekanntschaften. Sicherheit. Deckung. Nach außen ein normales Leben. Dann hatte ihr Vater ein Foto über den Tisch geschoben. Vasile Ungaro. Berufssoldat. Hauptmann. Viel mehr Informationen gab es kaum. Ein paar Tage später kamen Papiere. Und ein Ring. Jetzt sitzt genau dieser Ring an deinem Finger, während das Auto deines Vaters vor dem streng bewachten Tor einer Militärbasis hält. Ein Koffer landet neben dir. Das Auto fährt weg. Großartig. ⸻ Das Einchecken zieht sich ewig. Ausweis. Dokumente. Sicherheitskontrolle. Der Soldat hinter dem Tresen liest deinen Namen. Dann nochmal. Sein Blick wandert zu deinem Ring. „Hauptmann Ungaro?“ „Ja.“ „Sie wollen zu ihm?“ „Ich soll zu ihm gehen.“ Das scheint die bessere Erklärung zu sein. „Verstanden.“ Warum das wie ein Beileid klingt, möchtest du lieber nicht wissen. ⸻ Ein Soldat führt dich über das Gelände. Graue Gebäude. Gepanzerte Fahrzeuge. Bewaffnetes Personal. Dann öffnet sich vor dir ein Übungsplatz. Eine Einheit trainiert dort. Und einer der Männer ist unmöglich zu übersehen. Fast zwei Meter. Schwarzes Shirt. Kampfhose. Tätowierte Unterarme. Waffe über der Brust. Vasile. Das Foto hatte nicht vermittelt, wie einschüchternd er wirklich ist. Neben ihm steht eine blonde Soldatin. Livia. Sehr nah. Sie sagt etwas zu Vasile und legt ganz selbstverständlich eine Hand auf seinen Oberarm. Vasile reagiert nicht darauf. Er entzieht sich ihrer Berührung. Ein anderer Soldat bemerkt dich zuerst. Abram. Sein Blick landet auf dir. Auf dem Koffer. Auf dem Ring. „Scheiße.“ Livia dreht sich um. Vasile nicht. „Hauptmann Ungaro“, spricht der Soldat neben dir ihn an. Keine Reaktion. „Hauptmann.“ Vasile hebt endlich den Kopf. Seine strahlend blauen Augen treffen deine. Keine Überraschung. Keine Neugier. Keine Wärme. Sein Blick fällt auf deinen Koffer. Dann auf den Ring. Zurück zu deinem Gesicht. Als würde er eine Lieferung prüfen, die er nie bestellt hat. Abram blickt zwischen den beiden hin und her. „Sag mir bitte nicht, das ist—“ „Ist es.“ Vasiles Stimme ist tief. Rau. Eiskalt. Livias Kopf fährt herum. „Was ist sie?“ Vasile zieht langsam die Handschuhe aus. „Meine Frau.“ Stille. Livia lacht kurz, einmal. „Deine Frau?“ „Auf dem Papier.“ Das sitzt. Abram verzieht das Gesicht. „Jesus, Vasile.“ Vasile ignoriert ihn. Livia hingegen mustert dich nun ganz unverhohlen von Kopf bis Fuß. „Du hast geheiratet.“ „Nein.“ Livia zeigt auf dich. „Sie trägt einen Ring.“ „Ich habe unterschrieben.“ „Das nennt man heiraten.“ „Nenn es, wie du willst.“ Livias Mundwinkel ziehen sich nach oben. Fast erleichtert. Sie tritt näher an Vasile und legt wieder die Hand auf seinen Oberarm. „Also keine richtige Ehe.“ Vasile wirft einen kurzen Blick auf ihre Hand. Er geht einen Schritt zurück. „Ein Auftrag.“ Sein Blick findet dich wieder. „Nicht mehr.“ Abram murmelt: „Vielleicht hätte man sie warnen sollen. Wär netter.“ Vasile: „Ruhe.“ Livia lächelt jetzt offen. Nicht freundlich. Sie löst sich erst von Vasiles Arm, als sie es selbst will, und macht zwei Schritte auf dich zu. „Livia.“ Sie streckt dir keine Hand entgegen. „Wir arbeiten zusammen.“ Ihr Blick fällt demonstrativ auf den Ring. „Sehr eng.“ „Livia.“ Vasiles Warnung ist leise. Sie schaut über die Schulter zu ihm. „Was? Ich stelle mich vor.“ „Hast du.“ Livia ignoriert den Hinweis. Ihr Blick kehrt zu dir zurück. „Du solltest wissen, dass Vasile normalerweise nicht zu Hause ist.“ Eine Pause. „Wir sind oft gemeinsam unterwegs.“ Abram hebt eine Augenbraue. „Sehr subtil.“ Livia lächelt. „War nicht meine Absicht.“ Vasile schultert seine Waffe. „Es reicht.“ Livia dreht sich zu ihm. „Sie sollte wissen, mit wem ihr Mann seine Zeit verbringt.“ Vasiles Blick wird schneidend. „Ich sagte, es reicht.“ Livia erwidert seinen Blick. Dann lächelt sie. „Natürlich, Hauptmann.“ Die Betonung ist viel zu vertraut. Vasile geht auf dich zu. Langsam. Kontrolliert. Er bleibt vor dir stehen. Aus der Nähe ist die Kälte in seinem Gesicht fast noch schlimmer. Sein Blick fällt auf deinen Koffer. „Das ist alles?“ Abram schließt kurz die Augen. „Verdammt, du bist echt charmant mit Frauen.“ Vasile ignoriert ihn. Du bekommst nur noch einen prüfenden Blick. „Gut.“ Er nimmt deinen Koffer. Keine Begrüßung. Keine ausgestreckte Hand. Kein Schön, Sie kennenzulernen. Nichts. „Du bekommst dein eigenes Zimmer.“ Seine Stimme bleibt völlig sachlich. „Mein Büro ist tabu. Meine Ausrüstung auch.“ Kurze Pause. „Wenn ich weg bin, fragst du nicht, wohin.“ Abram murmelt: „Du könntest wenigstens Hallo sagen.“ Vasiles Blick schneidet zu ihm. „Nein.“ Dann zurück zu dir. „Du hast dir diese Ehe nicht ausgesucht.“ Zum ersten Mal klingt etwas fast Persönliches durch. Keine Wärme. Nur eine nüchterne Feststellung. „Ich auch nicht.“ Sein Blick fällt kurz auf deinen Ring. „Also halten wir es einfach.“ Eine Pause. „Du erwartest nichts von mir.“ Seine blauen Augen treffen deine. „Ich erwarte nichts von dir.“ Livia steht ein paar Meter entfernt. Sie verschränkt zufrieden die Arme. „Das dürfte nicht besonders schwer sein.“ Abram sieht zu ihr. „Livia.“ „Was?“ Sie sieht demonstrativ zu Vasile. „Immerhin kenne ich ihn.“ Vasiles Kiefermuskeln arbeiten. „Training.“ Livia bleibt stehen. „Vasile—“ Jetzt sieht er sie an. Eiskalt. „Das war keine Einladung zur Diskussion.“ Livias Lächeln verschwindet kurz. „Verstanden, Hauptmann.“ Vasile dreht sich bereits um. Deinen Koffer in der Hand. Nach ein paar Schritten bleibt er stehen, ohne sich umzudrehen. „Komm.“ Abram sieht dir nach. Dann blickt er zu Livia. Dann zurück zu Vasile. „Das wird eine richtig entspannte Hochzeitsreise.“ Vasile geht einfach weiter. „Zehn Kilometer.“ Abram erstarrt. „Was?! Vorher waren es fünf!“ „Jetzt sind es zehn.“ „Warum?!“ Vasile schaut nicht mal zurück. „Du redest.“ Hinter ihnen verschränkt Livia die Arme noch fester. Ihr Blick folgt nicht dir. Er folgt Vasile. Und der Ausdruck darin macht eines klar: Ein Ring wird sie definitiv nicht davon abhalten, sich um ihn zu kümmern.
Du hast für sechs Monate unterschrieben und eine Tür, von der dir gesagt wurde, dass du sie benutzen darfst. Jetzt läuft der Kapitän, den du nur auf dem Papier geheiratet hast, wortlos mit deinem Koffer über den Trainingsplatz.
Drei Wochen. So lange weißt du, dass du verheiratet bist. Keine Hochzeit. Kein Kleid. Kein Gelübde. Nicht einmal eine richtige Vorstellung. Deine Eltern hatten es dir erst erzählt, als so gut wie alles schon mit dir entschieden war, Seite für Seite. Alte Familienbekanntschaften. Sicherheit. Deckung. Nach außen ein normales Leben. Dann hatte ihr Vater ein Foto über den Tisch geschoben. Vasile Ungaro. Berufssoldat. Hauptmann. Viel mehr Informationen gab es kaum. Ein paar Tage später kamen Papiere. Und ein Ring. Jetzt sitzt genau dieser Ring an deinem Finger, während das Auto deines Vaters vor dem streng bewachten Tor einer Militärbasis hält. Ein Koffer landet neben dir. Das Auto fährt weg. Großartig. ⸻ Das Einchecken zieht sich ewig. Ausweis. Dokumente. Sicherheitskontrolle. Der Soldat hinter dem Tresen liest deinen Namen. Dann nochmal. Sein Blick wandert zu deinem Ring. „Hauptmann Ungaro?“ „Ja.“ „Sie wollen zu ihm?“ „Ich soll zu ihm gehen.“ Das scheint die bessere Erklärung zu sein. „Verstanden.“ Warum das wie ein Beileid klingt, möchtest du lieber nicht wissen. ⸻ Ein Soldat führt dich über das Gelände. Graue Gebäude. Gepanzerte Fahrzeuge. Bewaffnetes Personal. Dann öffnet sich vor dir ein Übungsplatz. Eine Einheit trainiert dort. Und einer der Männer ist unmöglich zu übersehen. Fast zwei Meter. Schwarzes Shirt. Kampfhose. Tätowierte Unterarme. Waffe über der Brust. Vasile. Das Foto hatte nicht vermittelt, wie einschüchternd er wirklich ist. Neben ihm steht eine blonde Soldatin. Livia. Sehr nah. Sie sagt etwas zu Vasile und legt ganz selbstverständlich eine Hand auf seinen Oberarm. Vasile reagiert nicht darauf. Er entzieht sich ihrer Berührung. Ein anderer Soldat bemerkt dich zuerst. Abram. Sein Blick landet auf dir. Auf dem Koffer. Auf dem Ring. „Scheiße.“ Livia dreht sich um. Vasile nicht. „Hauptmann Ungaro“, spricht der Soldat neben dir ihn an. Keine Reaktion. „Hauptmann.“ Vasile hebt endlich den Kopf. Seine strahlend blauen Augen treffen deine. Keine Überraschung. Keine Neugier. Keine Wärme. Sein Blick fällt auf deinen Koffer. Dann auf den Ring. Zurück zu deinem Gesicht. Als würde er eine Lieferung prüfen, die er nie bestellt hat. Abram blickt zwischen den beiden hin und her. „Sag mir bitte nicht, das ist—“ „Ist es.“ Vasiles Stimme ist tief. Rau. Eiskalt. Livias Kopf fährt herum. „Was ist sie?“ Vasile zieht langsam die Handschuhe aus. „Meine Frau.“ Stille. Livia lacht kurz, einmal. „Deine Frau?“ „Auf dem Papier.“ Das sitzt. Abram verzieht das Gesicht. „Jesus, Vasile.“ Vasile ignoriert ihn. Livia hingegen mustert dich nun ganz unverhohlen von Kopf bis Fuß. „Du hast geheiratet.“ „Nein.“ Livia zeigt auf dich. „Sie trägt einen Ring.“ „Ich habe unterschrieben.“ „Das nennt man heiraten.“ „Nenn es, wie du willst.“ Livias Mundwinkel ziehen sich nach oben. Fast erleichtert. Sie tritt näher an Vasile und legt wieder die Hand auf seinen Oberarm. „Also keine richtige Ehe.“ Vasile wirft einen kurzen Blick auf ihre Hand. Er geht einen Schritt zurück. „Ein Auftrag.“ Sein Blick findet dich wieder. „Nicht mehr.“ Abram murmelt: „Vielleicht hätte man sie warnen sollen. Wär netter.“ Vasile: „Ruhe.“ Livia lächelt jetzt offen. Nicht freundlich. Sie löst sich erst von Vasiles Arm, als sie es selbst will, und macht zwei Schritte auf dich zu. „Livia.“ Sie streckt dir keine Hand entgegen. „Wir arbeiten zusammen.“ Ihr Blick fällt demonstrativ auf den Ring. „Sehr eng.“ „Livia.“ Vasiles Warnung ist leise. Sie schaut über die Schulter zu ihm. „Was? Ich stelle mich vor.“ „Hast du.“ Livia ignoriert den Hinweis. Ihr Blick kehrt zu dir zurück. „Du solltest wissen, dass Vasile normalerweise nicht zu Hause ist.“ Eine Pause. „Wir sind oft gemeinsam unterwegs.“ Abram hebt eine Augenbraue. „Sehr subtil.“ Livia lächelt. „War nicht meine Absicht.“ Vasile schultert seine Waffe. „Es reicht.“ Livia dreht sich zu ihm. „Sie sollte wissen, mit wem ihr Mann seine Zeit verbringt.“ Vasiles Blick wird schneidend. „Ich sagte, es reicht.“ Livia erwidert seinen Blick. Dann lächelt sie. „Natürlich, Hauptmann.“ Die Betonung ist viel zu vertraut. Vasile geht auf dich zu. Langsam. Kontrolliert. Er bleibt vor dir stehen. Aus der Nähe ist die Kälte in seinem Gesicht fast noch schlimmer. Sein Blick fällt auf deinen Koffer. „Das ist alles?“ Abram schließt kurz die Augen. „Verdammt, du bist echt charmant mit Frauen.“ Vasile ignoriert ihn. Du bekommst nur noch einen prüfenden Blick. „Gut.“ Er nimmt deinen Koffer. Keine Begrüßung. Keine ausgestreckte Hand. Kein Schön, Sie kennenzulernen. Nichts. „Du bekommst dein eigenes Zimmer.“ Seine Stimme bleibt völlig sachlich. „Mein Büro ist tabu. Meine Ausrüstung auch.“ Kurze Pause. „Wenn ich weg bin, fragst du nicht, wohin.“ Abram murmelt: „Du könntest wenigstens Hallo sagen.“ Vasiles Blick schneidet zu ihm. „Nein.“ Dann zurück zu dir. „Du hast dir diese Ehe nicht ausgesucht.“ Zum ersten Mal klingt etwas fast Persönliches durch. Keine Wärme. Nur eine nüchterne Feststellung. „Ich auch nicht.“ Sein Blick fällt kurz auf deinen Ring. „Also halten wir es einfach.“ Eine Pause. „Du erwartest nichts von mir.“ Seine blauen Augen treffen deine. „Ich erwarte nichts von dir.“ Livia steht ein paar Meter entfernt. Sie verschränkt zufrieden die Arme. „Das dürfte nicht besonders schwer sein.“ Abram sieht zu ihr. „Livia.“ „Was?“ Sie sieht demonstrativ zu Vasile. „Immerhin kenne ich ihn.“ Vasiles Kiefermuskeln arbeiten. „Training.“ Livia bleibt stehen. „Vasile—“ Jetzt sieht er sie an. Eiskalt. „Das war keine Einladung zur Diskussion.“ Livias Lächeln verschwindet kurz. „Verstanden, Hauptmann.“ Vasile dreht sich bereits um. Deinen Koffer in der Hand. Nach ein paar Schritten bleibt er stehen, ohne sich umzudrehen. „Komm.“ Abram sieht dir nach. Dann blickt er zu Livia. Dann zurück zu Vasile. „Das wird eine richtig entspannte Hochzeitsreise.“ Vasile geht einfach weiter. „Zehn Kilometer.“ Abram erstarrt. „Was?! Vorher waren es fünf!“ „Jetzt sind es zehn.“ „Warum?!“ Vasile schaut nicht mal zurück. „Du redest.“ Hinter ihnen verschränkt Livia die Arme noch fester. Ihr Blick folgt nicht dir. Er folgt Vasile. Und der Ausdruck darin macht eines klar: Ein Ring wird sie definitiv nicht davon abhalten, sich um ihn zu kümmern.
