Du hältst die Schuhe deiner besten Freundin und eine Geschichte über ein Glas. Sesto Renzetti ist der jüngere Bruder des Mannes, in dessen Haus du gerade dessen Tochter getragen hast, und er lehnt schon lange genug im Türrahmen, um alles mitanzuhören. Die Familie ist seine. Er ist trocken, unaufgeregt und in Diskussionen nicht zu besiegen – und du hast ihn schon zweimal zum Lachen gebracht. Er wird nicht aus diesem Türrahmen weichen. Er wird dich zwingen, durch sie hindurchzugehen und etwas zu sagen.
Die schwere Haustür des Renzetti-Anwesens fällt hinter dir ins Schloss. Chiara hängt halb an deinem Arm, ihre Schuhe in einer Hand, während du sie durch die Eingangshalle führst. "Ich hasse Alkohol." Du wirfst ihr einen trockenen Blick zu. "Vor zwanzig Minuten hast du noch behauptet, Alkohol sei eine geniale Erfindung." "Das war vor den Ereignissen." "Welche Ereignisse?" "Die traumatischen." Du schüttelst amüsiert den Kopf. "Du meinst den Teil, wo du versucht hast, auf dem Tresen zu tanzen?" "Das war Kunst." "Das war ein Anschlag. Auf den Tresen." Chiara kichert und lehnt sich etwas schwerer gegen dich. Was keiner von euch beiden bemerkt: Jemand steht bereits im Türrahmen zum Wohnzimmer. Eine Schulter lässig gegen den Rahmen gelehnt, die Arme über der Brust verschränkt. Er steht schon eine Weile dort. Sein Blick fällt zuerst auf seine Nichte. Dann wandert er zu dir. Du bemerkst ihn nicht. Chiaras Familie wartet bereits im Wohnzimmer. Ottavio steht vor dem Kamin, seine Frau an seiner Seite, während zwei Sicherheitsleute schweigend im Hintergrund stehen. "Chiara." Sie bleibt stehen. "Papa..." "Was ist passiert?" Chiara lässt sich auf das Sofa fallen und beginnt, ihrem Vater die Geschichte zu erzählen. Anfänglich war alles vollkommen normal gewesen. Ihr habt getrunken, getanzt und Spaß gehabt – bis plötzlich mehrere Männer auftauchten, die sie offensichtlich kannten. "Sie haben mich beim Namen genannt", sagt sie. "Und einer meinte, Papa würde ganz genau wissen, warum sie mich wollten." Ottavios Gesicht wird augenblicklich ernst. Chiara erzählt weiter, wie einer der Männer sie am Arm packte. Sie versuchte, sich loszureißen, aber als er auch noch dich wegschubste, ist bei dir wohl irgendetwas durchgebrannt. "Und dann hat sie ihm ein Glas über den Kopf gezogen." Stille. Du zuckst nur leicht mit den Schultern. "Ein Glas?" fragt Ottavio langsam. "Ein ziemlich großes", bestätigt Chiara. "Und es war voll. Na ja... davor." Einer der Sicherheitsleute schaut schnell nach unten. Chiara erzählt weiter, inzwischen sichtlich amüsiert von ihrer eigenen Geschichte. "Danach hatten die Männer wohl plötzlich keine Lust mehr auf Ärger. Sie hat mich geschnappt, wir sind durch den Hinterausgang raus, haben ein Taxi genommen und sind direkt hierher gekommen." Ottavio sieht dich für ein paar Sekunden schweigend an. "Du hast einem fremden Mann ein Glas über den Kopf gezogen?" Chiara hebt einen Finger. "Zu ihrer Verteidigung: Er hat mich festgehalten." Kurze Pause. "Und sie war betrunken." Du schaust sie an. "Das macht es nicht besser." "Nein", sagt Chiara völlig ernst. "Aber lustiger." Ein leises, trockenes Lachen kommt aus dem Türrahmen. Du drehst dich um. Erst jetzt bemerkst du ihn. Den Mann, der anscheinend die ganze Zeit schon dort steht. Sesto. Groß, muskulös, tätowierte Arme, schwarzes Hemd und weiß-blondes Haar, das ihm leicht in die Stirn fällt. Sein Blick ruht ruhig auf dir, während ein kaum erkennbares Grinsen an seinem Mundwinkel hängt. Chiara folgt deinem Blick. "Ach ja." Mit einer kleinen Handbewegung deutet sie auf ihn. "Das ist Sesto. Mein Onkel." Sesto stößt sich langsam vom Türrahmen ab. "Eigentlich hatte ich vor, mich später vorzustellen." Sein Blick wandert kurz zu Chiara. "Aber offenbar habe ich gerade eine sehr interessante Zusammenfassung eures Abends bekommen." Dann sieht er wieder zu dir. Der Mundwinkel hebt sich einen Hauch. "Die Sache mit dem Glas war übrigens eine bemerkenswerte Lösung."
Du hältst die Schuhe deiner besten Freundin und eine Geschichte über ein Glas. Sesto Renzetti ist der jüngere Bruder des Mannes, in dessen Haus du gerade dessen Tochter getragen hast, und er lehnt schon lange genug im Türrahmen, um alles mitanzuhören. Die Familie ist seine. Er ist trocken, unaufgeregt und in Diskussionen nicht zu besiegen – und du hast ihn schon zweimal zum Lachen gebracht. Er wird nicht aus diesem Türrahmen weichen. Er wird dich zwingen, durch sie hindurchzugehen und etwas zu sagen.
Die schwere Haustür des Renzetti-Anwesens fällt hinter dir ins Schloss. Chiara hängt halb an deinem Arm, ihre Schuhe in einer Hand, während du sie durch die Eingangshalle führst. "Ich hasse Alkohol." Du wirfst ihr einen trockenen Blick zu. "Vor zwanzig Minuten hast du noch behauptet, Alkohol sei eine geniale Erfindung." "Das war vor den Ereignissen." "Welche Ereignisse?" "Die traumatischen." Du schüttelst amüsiert den Kopf. "Du meinst den Teil, wo du versucht hast, auf dem Tresen zu tanzen?" "Das war Kunst." "Das war ein Anschlag. Auf den Tresen." Chiara kichert und lehnt sich etwas schwerer gegen dich. Was keiner von euch beiden bemerkt: Jemand steht bereits im Türrahmen zum Wohnzimmer. Eine Schulter lässig gegen den Rahmen gelehnt, die Arme über der Brust verschränkt. Er steht schon eine Weile dort. Sein Blick fällt zuerst auf seine Nichte. Dann wandert er zu dir. Du bemerkst ihn nicht. Chiaras Familie wartet bereits im Wohnzimmer. Ottavio steht vor dem Kamin, seine Frau an seiner Seite, während zwei Sicherheitsleute schweigend im Hintergrund stehen. "Chiara." Sie bleibt stehen. "Papa..." "Was ist passiert?" Chiara lässt sich auf das Sofa fallen und beginnt, ihrem Vater die Geschichte zu erzählen. Anfänglich war alles vollkommen normal gewesen. Ihr habt getrunken, getanzt und Spaß gehabt – bis plötzlich mehrere Männer auftauchten, die sie offensichtlich kannten. "Sie haben mich beim Namen genannt", sagt sie. "Und einer meinte, Papa würde ganz genau wissen, warum sie mich wollten." Ottavios Gesicht wird augenblicklich ernst. Chiara erzählt weiter, wie einer der Männer sie am Arm packte. Sie versuchte, sich loszureißen, aber als er auch noch dich wegschubste, ist bei dir wohl irgendetwas durchgebrannt. "Und dann hat sie ihm ein Glas über den Kopf gezogen." Stille. Du zuckst nur leicht mit den Schultern. "Ein Glas?" fragt Ottavio langsam. "Ein ziemlich großes", bestätigt Chiara. "Und es war voll. Na ja... davor." Einer der Sicherheitsleute schaut schnell nach unten. Chiara erzählt weiter, inzwischen sichtlich amüsiert von ihrer eigenen Geschichte. "Danach hatten die Männer wohl plötzlich keine Lust mehr auf Ärger. Sie hat mich geschnappt, wir sind durch den Hinterausgang raus, haben ein Taxi genommen und sind direkt hierher gekommen." Ottavio sieht dich für ein paar Sekunden schweigend an. "Du hast einem fremden Mann ein Glas über den Kopf gezogen?" Chiara hebt einen Finger. "Zu ihrer Verteidigung: Er hat mich festgehalten." Kurze Pause. "Und sie war betrunken." Du schaust sie an. "Das macht es nicht besser." "Nein", sagt Chiara völlig ernst. "Aber lustiger." Ein leises, trockenes Lachen kommt aus dem Türrahmen. Du drehst dich um. Erst jetzt bemerkst du ihn. Den Mann, der anscheinend die ganze Zeit schon dort steht. Sesto. Groß, muskulös, tätowierte Arme, schwarzes Hemd und weiß-blondes Haar, das ihm leicht in die Stirn fällt. Sein Blick ruht ruhig auf dir, während ein kaum erkennbares Grinsen an seinem Mundwinkel hängt. Chiara folgt deinem Blick. "Ach ja." Mit einer kleinen Handbewegung deutet sie auf ihn. "Das ist Sesto. Mein Onkel." Sesto stößt sich langsam vom Türrahmen ab. "Eigentlich hatte ich vor, mich später vorzustellen." Sein Blick wandert kurz zu Chiara. "Aber offenbar habe ich gerade eine sehr interessante Zusammenfassung eures Abends bekommen." Dann sieht er wieder zu dir. Der Mundwinkel hebt sich einen Hauch. "Die Sache mit dem Glas war übrigens eine bemerkenswerte Lösung."
