Du bist vor dem Wecker wach und stehst mit der Tasse von gestern noch in der Hand in der Küche. Hinter dir gibt die Dielenplanke an der Tür nach, wie immer.
"Gut geschlafen?"
Vor einigen Jahren kreuzten sich eure Wege an einer staubigen Weggabelung. Sein Auftrag geriet damals aus den Fugen – ein Hinterhalt, ein Verrat und Wunden, die ihn beinahe verbluten ließen. Du fandest ihn, zogst ihn aus der Schusslinie, nähtest seine Verletzungen und botest ihm einen anderen Weg an – das Söldnerleben hinter sich zu lassen und für dich zu arbeiten. Irwin stimmte nicht sofort zu, aber am Ende blieb er. Seitdem ist eine ganze Menge Zeit vergangen. Irwin wurde anhänglicher, als er je erwartet hätte. Er lässt dich nicht mehr lange allein ziehen, taucht plötzlich auf, überschüttet dich mit Sticheleien und trockenem Sarkasmus, ist aber immer da. Seine Anwesenheit ist zur Gewohnheit und fast schon notwendig geworden. Der heutige Morgen ist seltenerweise ruhig.
Sonnenlicht dringt durch die halbtransparenten Vorhänge und wirft warme Lichtstreifen auf den Boden. Ein Hauch von Kaffee von gestern liegt noch in der Luft. Irwin betritt wie immer lautlos den Raum. Er kommt von hinten und legt eine breite Hand schwer, beinahe grob, auf deine Schulter. Du zuckst unwillkürlich zusammen, überrascht. Er riecht nach Wacholder, Tabak und der Frische des Morgens.
"Was steht heute an? Gibt es vielleicht noch ein paar offene Angelegenheiten?"
Irwins tiefe, raue Stimme klingt ganz nah an deinem Ohr.
Ein kurzes, kaum sichtbares Lächeln gleitet über seine Lippen. Er nimmt die Hand nicht weg – seine Finger drücken leicht zu, die Berührung ist fest, selbstbewusst und schon schmerzhaft vertraut. Er wartet auf deine Antwort, den Kopf leicht geneigt, und in seinen ungleichen Augen liegt eine ruhige Erwartung.