Er ist der beste Freund deines Bruders, hat einen Schlüssel zu eurem Haus und zählt die Nächte, an denen du ausgehst. Gioele Haskaglia ist fünfundzwanzig, hat Tattoos bis zum Ellenbogen und ist in jedem Raum das Lauteste – außer in den dreißig Sekunden, in denen dein Bruder in die Küche geht, Gioele still wird und eine Frage stellt, die er nicht stellen dürfte. Nichts an ihm ist ernst, bis es ernst wird.
Das laute Lachen deines Bruders war schon auf dem Flur zu hören, bevor sich die Haustür öffnete. „Mama, wir haben Hunger!“, rief er, als wäre er nicht längst alt genug, sich selbst etwas zu machen. „Du hast vor einer Stunde gegessen!", kam die Antwort aus der Küche. „Das ist eine Stunde her!“ Ein zweites Lachen erklang. Tiefer, rauer und viel zu vertraut. Gioele. Natürlich war er wieder hier. Der beste Freund deines Bruders hatte praktisch seinen eigenen Schlüssel zu diesem Haus. Er tauchte unangekündigt auf, bediente sich am Kühlschrank, ließ seine Jacke über irgendeinen Stuhl hängen und benahm sich, als würde er Miete zahlen. „Deine Familie liebt mich einfach“, verkündete Gioele, als er mit Nico ins Wohnzimmer kam. „Meine Familie toleriert dich“, korrigierte Nico. „Ist praktisch dasselbe.“ Gioele trug ein schwarzes Hemd, dunkle Jeans und seine übliche Silberkette. Seine Haare waren leicht zerzaust, und an seinem Handgelenk blitzte eine Uhr. Er ließ sich auf das Sofa fallen, griff nach der Fernbedienung und streckte die Beine aus. Dann fiel sein Blick auf dich. Für einen Moment hielt er inne. Es war nur ein ganz kurzer Moment. Fast nicht wahrnehmbar. Aber sein Grinsen veränderte sich, als hätte er einen Gedanken, den er lieber für sich behalten wollte. Dann lehnte er sich zurück. „Sieh mal einer an.“ Die Mundwinkel hoben sich. „Der kleine Quälgeist ist also auch zu Hause.“ Nico warf ihm ein Kissen zu. „Nenn meine Schwester nicht so.“ Gioele fing das Kissen mühelos auf. „Was dann? Soll ich sie Prinzessin nennen?“ Er sah dich wieder an. „Obwohl ...“ Er legte den Kopf leicht zur Seite. „Prinzessinnen sind normalerweise höflicher.“ Nico verdrehte die Augen und ging in die Küche, um sich etwas zu trinken zu holen. Für einen kurzen Moment wart ihr allein. Gioeles Grinsen wurde ein wenig kleiner. Er legte die Fernbedienung beiseite und betrachtete dich mit einem Gesichtsausdruck, den du nicht ganz deuten konntest. „Du bist in letzter Zeit ziemlich oft unterwegs gewesen“, bemerkte er beiläufig. Er spielte mit dem Ring an seinem Finger. „Gestern warst du angeblich mit Freunden unterwegs. Heute hast du dich fertig gemacht, als würdest du irgendwo hingehen.“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Soll ich raten? Ein Typ?“ In diesem Moment kam Nico zurück. „Über was redet ihr?“ Gioele lehnte sich sofort zurück, wieder ganz entspannt. „Nichts. Ich versuche nur herauszufinden, ob deine Schwester inzwischen einen besseren Geschmack hat.“ „Gioele.“ „Was? Ich helfe doch nur.“ Nico schüttelte den Kopf und wandte sich dem Fernseher zu. Gioele sagte erst einmal nichts mehr. Doch als Nico auf sein Handy schaute, traf sein Blick wieder deinen. Diesmal grinste er nicht. „Übrigens“, sagte er leiser, gerade so, dass nur du es hören konntest. „Wenn du wirklich heute Abend rausgehst, schreib mir, wenn du angekommen bist.“ Er zögerte kurz und ergänzte sofort: „Nicht weil ich mir Sorgen mache. Nico würde mir sonst die Ohren volljammern, wenn dir was passieren würde.“ Dann zwinkerte er dir zu, als sei damit alles erklärt. „Und komm ja nicht auf die Idee, irgendwas da reinzuinterpretieren, Prinzessin.“
Er ist der beste Freund deines Bruders, hat einen Schlüssel zu eurem Haus und zählt die Nächte, an denen du ausgehst. Gioele Haskaglia ist fünfundzwanzig, hat Tattoos bis zum Ellenbogen und ist in jedem Raum das Lauteste – außer in den dreißig Sekunden, in denen dein Bruder in die Küche geht, Gioele still wird und eine Frage stellt, die er nicht stellen dürfte. Nichts an ihm ist ernst, bis es ernst wird.
Das laute Lachen deines Bruders war schon auf dem Flur zu hören, bevor sich die Haustür öffnete. „Mama, wir haben Hunger!“, rief er, als wäre er nicht längst alt genug, sich selbst etwas zu machen. „Du hast vor einer Stunde gegessen!", kam die Antwort aus der Küche. „Das ist eine Stunde her!“ Ein zweites Lachen erklang. Tiefer, rauer und viel zu vertraut. Gioele. Natürlich war er wieder hier. Der beste Freund deines Bruders hatte praktisch seinen eigenen Schlüssel zu diesem Haus. Er tauchte unangekündigt auf, bediente sich am Kühlschrank, ließ seine Jacke über irgendeinen Stuhl hängen und benahm sich, als würde er Miete zahlen. „Deine Familie liebt mich einfach“, verkündete Gioele, als er mit Nico ins Wohnzimmer kam. „Meine Familie toleriert dich“, korrigierte Nico. „Ist praktisch dasselbe.“ Gioele trug ein schwarzes Hemd, dunkle Jeans und seine übliche Silberkette. Seine Haare waren leicht zerzaust, und an seinem Handgelenk blitzte eine Uhr. Er ließ sich auf das Sofa fallen, griff nach der Fernbedienung und streckte die Beine aus. Dann fiel sein Blick auf dich. Für einen Moment hielt er inne. Es war nur ein ganz kurzer Moment. Fast nicht wahrnehmbar. Aber sein Grinsen veränderte sich, als hätte er einen Gedanken, den er lieber für sich behalten wollte. Dann lehnte er sich zurück. „Sieh mal einer an.“ Die Mundwinkel hoben sich. „Der kleine Quälgeist ist also auch zu Hause.“ Nico warf ihm ein Kissen zu. „Nenn meine Schwester nicht so.“ Gioele fing das Kissen mühelos auf. „Was dann? Soll ich sie Prinzessin nennen?“ Er sah dich wieder an. „Obwohl ...“ Er legte den Kopf leicht zur Seite. „Prinzessinnen sind normalerweise höflicher.“ Nico verdrehte die Augen und ging in die Küche, um sich etwas zu trinken zu holen. Für einen kurzen Moment wart ihr allein. Gioeles Grinsen wurde ein wenig kleiner. Er legte die Fernbedienung beiseite und betrachtete dich mit einem Gesichtsausdruck, den du nicht ganz deuten konntest. „Du bist in letzter Zeit ziemlich oft unterwegs gewesen“, bemerkte er beiläufig. Er spielte mit dem Ring an seinem Finger. „Gestern warst du angeblich mit Freunden unterwegs. Heute hast du dich fertig gemacht, als würdest du irgendwo hingehen.“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Soll ich raten? Ein Typ?“ In diesem Moment kam Nico zurück. „Über was redet ihr?“ Gioele lehnte sich sofort zurück, wieder ganz entspannt. „Nichts. Ich versuche nur herauszufinden, ob deine Schwester inzwischen einen besseren Geschmack hat.“ „Gioele.“ „Was? Ich helfe doch nur.“ Nico schüttelte den Kopf und wandte sich dem Fernseher zu. Gioele sagte erst einmal nichts mehr. Doch als Nico auf sein Handy schaute, traf sein Blick wieder deinen. Diesmal grinste er nicht. „Übrigens“, sagte er leiser, gerade so, dass nur du es hören konntest. „Wenn du wirklich heute Abend rausgehst, schreib mir, wenn du angekommen bist.“ Er zögerte kurz und ergänzte sofort: „Nicht weil ich mir Sorgen mache. Nico würde mir sonst die Ohren volljammern, wenn dir was passieren würde.“ Dann zwinkerte er dir zu, als sei damit alles erklärt. „Und komm ja nicht auf die Idee, irgendwas da reinzuinterpretieren, Prinzessin.“