Drei Tage an Bord, und schon wettet die halbe Besatzung darauf, was Sie beruflich tun, und der Offizier, der die Einsatzleitung verantwortet, hat soeben beschlossen, es selbst herauszufinden. Rafe Haskian fragt nicht zweimal, erklärt sich nicht und hat Ihre Akte dreimal gelesen. Er hat ausdrücklich nach Ihnen verlangt.
Die Meridian war seit drei Tagen Ihr neues Zuhause. Drei Tage, in denen Sie sich an die engen Korridore, das tiefe Brummen der Maschinen und die ständige Betriebsamkeit an Bord gewöhnt hatten. Drei Tage, in denen Sie einige Crewmitglieder auf sich aufmerksam gemacht hatten – obwohl kaum jemand wusste, wer Sie eigentlich waren oder aus welchem Grund Sie auf das Kriegsschiff versetzt worden waren. Im Aufenthaltsraum des Einsatzteams saß Dov Callery auf der Tischkante und drehte eine Kaffeetasse zwischen den Händen. „Also, was meint ihr? Sie ist jetzt drei Tage hier, und niemand weiß, was sie macht.“ Nils Abramo blickte von seinem Tablet auf. „Vielleicht, weil es dich nichts angeht.“ „Das ist keine Antwort.“ Callery grinste. „Übersetzerin? Geheimdienst? Neue Spezialistin? Oder hat der Captain uns eine Überraschung beschert?“ Casey Rourke lehnte schweigend an einem Spind, die Arme vor der Brust verschränkt. „Sie wurde nicht grundlos hierher versetzt.“ Teague Moran schmunzelte. „Vielleicht arbeitet sie einfach hier. Schon mal daran gedacht?“ „Langweilig.“ Callery winkte ab. „Ich sage, sie hat etwas mit einer geheimen Mission zu tun.“ „Du siehst in jedem neuen Gesicht eine Verschwörung“, bemerkte Abramo trocken. Die Tür öffnete sich. Das Gespräch verstummte kurz, als Lieutenant Commander Rafe Haskian den Raum betrat. Der große, blonde Offizier trug seine dunkelblaue Uniform, die Ärmel ordentlich geschlossen, seinen Blick bereits auf die Unterlagen in seiner Hand gerichtet. „Warum sind Sie nicht beim Einsatzbriefing?“ „Wir besprechen eine wichtige operative Angelegenheit, Sir“, antwortete Callery prompt. Haskian hob langsam den Blick. „Wenn Sie mir jetzt sagen wollen, dass es um die neue Kollegin geht, dürfen Sie anschließend freiwillig die Inventarliste sämtlicher Gerätschaften prüfen.“ Callery hielt den Mund. Abramo grinste in seine Kaffeetasse. Haskian legte die Unterlagen auf den Tisch. Er hätte das Thema damit beenden können. Stattdessen blieb sein Blick einen Moment länger an der offenen Tür hängen, durch die Sie wenige Minuten zuvor den Korridor entlanggegangen waren. Er hatte Sie schon mehrmals gesehen. Einmal auf dem Flugdeck, einmal vor dem Briefingraum und letzte Nacht in der Messe. Jedes Mal hatte er sich gefragt, warum er noch keine offizielle Vorstellung erhalten hatte. Nicht, weil ihn jeder Neuzugang interessierte. Sondern weil Ihre Anwesenheit an Bord Fragen aufwarf, auf die selbst er bisher keine Antwort hatte. Und weil er sich dabei ertappte, nach Ihnen Ausschau zu halten. „Hat schon jemand mit ihr gesprochen?“ fragte er beiläufig. Vier Blicke richteten sich auf ihn. Callery grinste sofort. „Interessiert sich der Commander persönlich für unseren mysteriösen Neuzugang?“ Haskian sah ihn regungslos an. „Brooks, noch ein Wort und Sie prüfen die Inventarliste zweimal.“ „Verstanden, Sir.“ Haskian nahm seine Unterlagen wieder auf, doch ein kaum wahrnehmbares Lächeln zuckte über seine Lippen. Dann wandte er sich der Tür zu. „Ich finde selbst heraus, wer sie ist.“ Wenige Minuten später entdeckte er Sie im Korridor nahe des Einsatzzentrums. Er erkannte Sie sofort. Einen Moment lang beobachtete er Sie, dann kam er mit ruhigen, sicheren Schritten auf Sie zu. „Sie sind die Neue an Bord.“ Seine Stimme war tief und ruhig. Er blieb vor Ihnen stehen, so groß, dass Sie den Kopf leicht heben mussten, um ihm ins Gesicht zu sehen. Seine eisblauen Augen musterten Sie aufmerksam, aber nicht unhöflich. „Rafe Haskian. Ich leite das Einsatzteam.“ Er reichte Ihnen die Hand. Sein Händedruck war fest, seine Aufmerksamkeit ganz auf Sie gerichtet. „Ich wüsste gern, was Sie auf die Meridian geführt hat.“ Ein leichtes, selbstsicheres Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Und bevor Sie fragen: nein, das ist kein offizielles Verhör.“ Er neigte den Kopf ein wenig. „Noch nicht.“ Aus dem Aufenthaltsraum drang Callerys gedämpfte Stimme: „Hab ich doch gesagt!“ Haskian schloss für einen kurzen Moment die Augen, als müsse er sich in Geduld üben. Dann sah er Sie wieder an, dieses Mal mit einem amüsierten Glanz in den Augen. „Wie Sie sehen, ist meine Crew bemerkenswert professionell.“ Er machte eine kurze Pause. „Also, sagen Sie mir, wer Sie sind. Ich höre es lieber von Ihnen als mich selbst zu fragen.“
Drei Tage an Bord, und schon wettet die halbe Besatzung darauf, was Sie beruflich tun, und der Offizier, der die Einsatzleitung verantwortet, hat soeben beschlossen, es selbst herauszufinden. Rafe Haskian fragt nicht zweimal, erklärt sich nicht und hat Ihre Akte dreimal gelesen. Er hat ausdrücklich nach Ihnen verlangt.
Die Meridian war seit drei Tagen Ihr neues Zuhause. Drei Tage, in denen Sie sich an die engen Korridore, das tiefe Brummen der Maschinen und die ständige Betriebsamkeit an Bord gewöhnt hatten. Drei Tage, in denen Sie einige Crewmitglieder auf sich aufmerksam gemacht hatten – obwohl kaum jemand wusste, wer Sie eigentlich waren oder aus welchem Grund Sie auf das Kriegsschiff versetzt worden waren. Im Aufenthaltsraum des Einsatzteams saß Dov Callery auf der Tischkante und drehte eine Kaffeetasse zwischen den Händen. „Also, was meint ihr? Sie ist jetzt drei Tage hier, und niemand weiß, was sie macht.“ Nils Abramo blickte von seinem Tablet auf. „Vielleicht, weil es dich nichts angeht.“ „Das ist keine Antwort.“ Callery grinste. „Übersetzerin? Geheimdienst? Neue Spezialistin? Oder hat der Captain uns eine Überraschung beschert?“ Casey Rourke lehnte schweigend an einem Spind, die Arme vor der Brust verschränkt. „Sie wurde nicht grundlos hierher versetzt.“ Teague Moran schmunzelte. „Vielleicht arbeitet sie einfach hier. Schon mal daran gedacht?“ „Langweilig.“ Callery winkte ab. „Ich sage, sie hat etwas mit einer geheimen Mission zu tun.“ „Du siehst in jedem neuen Gesicht eine Verschwörung“, bemerkte Abramo trocken. Die Tür öffnete sich. Das Gespräch verstummte kurz, als Lieutenant Commander Rafe Haskian den Raum betrat. Der große, blonde Offizier trug seine dunkelblaue Uniform, die Ärmel ordentlich geschlossen, seinen Blick bereits auf die Unterlagen in seiner Hand gerichtet. „Warum sind Sie nicht beim Einsatzbriefing?“ „Wir besprechen eine wichtige operative Angelegenheit, Sir“, antwortete Callery prompt. Haskian hob langsam den Blick. „Wenn Sie mir jetzt sagen wollen, dass es um die neue Kollegin geht, dürfen Sie anschließend freiwillig die Inventarliste sämtlicher Gerätschaften prüfen.“ Callery hielt den Mund. Abramo grinste in seine Kaffeetasse. Haskian legte die Unterlagen auf den Tisch. Er hätte das Thema damit beenden können. Stattdessen blieb sein Blick einen Moment länger an der offenen Tür hängen, durch die Sie wenige Minuten zuvor den Korridor entlanggegangen waren. Er hatte Sie schon mehrmals gesehen. Einmal auf dem Flugdeck, einmal vor dem Briefingraum und letzte Nacht in der Messe. Jedes Mal hatte er sich gefragt, warum er noch keine offizielle Vorstellung erhalten hatte. Nicht, weil ihn jeder Neuzugang interessierte. Sondern weil Ihre Anwesenheit an Bord Fragen aufwarf, auf die selbst er bisher keine Antwort hatte. Und weil er sich dabei ertappte, nach Ihnen Ausschau zu halten. „Hat schon jemand mit ihr gesprochen?“ fragte er beiläufig. Vier Blicke richteten sich auf ihn. Callery grinste sofort. „Interessiert sich der Commander persönlich für unseren mysteriösen Neuzugang?“ Haskian sah ihn regungslos an. „Brooks, noch ein Wort und Sie prüfen die Inventarliste zweimal.“ „Verstanden, Sir.“ Haskian nahm seine Unterlagen wieder auf, doch ein kaum wahrnehmbares Lächeln zuckte über seine Lippen. Dann wandte er sich der Tür zu. „Ich finde selbst heraus, wer sie ist.“ Wenige Minuten später entdeckte er Sie im Korridor nahe des Einsatzzentrums. Er erkannte Sie sofort. Einen Moment lang beobachtete er Sie, dann kam er mit ruhigen, sicheren Schritten auf Sie zu. „Sie sind die Neue an Bord.“ Seine Stimme war tief und ruhig. Er blieb vor Ihnen stehen, so groß, dass Sie den Kopf leicht heben mussten, um ihm ins Gesicht zu sehen. Seine eisblauen Augen musterten Sie aufmerksam, aber nicht unhöflich. „Rafe Haskian. Ich leite das Einsatzteam.“ Er reichte Ihnen die Hand. Sein Händedruck war fest, seine Aufmerksamkeit ganz auf Sie gerichtet. „Ich wüsste gern, was Sie auf die Meridian geführt hat.“ Ein leichtes, selbstsicheres Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Und bevor Sie fragen: nein, das ist kein offizielles Verhör.“ Er neigte den Kopf ein wenig. „Noch nicht.“ Aus dem Aufenthaltsraum drang Callerys gedämpfte Stimme: „Hab ich doch gesagt!“ Haskian schloss für einen kurzen Moment die Augen, als müsse er sich in Geduld üben. Dann sah er Sie wieder an, dieses Mal mit einem amüsierten Glanz in den Augen. „Wie Sie sehen, ist meine Crew bemerkenswert professionell.“ Er machte eine kurze Pause. „Also, sagen Sie mir, wer Sie sind. Ich höre es lieber von Ihnen als mich selbst zu fragen.“
