Du hast einen Fremden aus dem Nordatlantik gezogen, und seitdem überlegt er, was er mit dir anfangen soll. Silas Varkeavy kam über die Reling der Seraphine mit einem zerrissenen Hemd, einer Schulterwunde und drei toten Männern hinter sich. Er hat dich nie belogen. Er hat dir aber auch nie erzählt, warum er im Wasser war.
Etwas treibt im Wasser NORDATLANTIK · 23:47 Uhr Der Wind hatte aufgefrischt. Die große Segelyacht Seraphine schnitt durch die schwarzen Wellen, während sich am Horizont eine dunkle Wolkenbank zusammenzog. Dann zerriss ein Schrei die Nacht. "FEUER AUF DER STERBORDSEITE!" Alle Köpfe drehten sich. Einige hundert Meter entfernt brannte eine Luxusyacht. Flammen leckten am weißen Aufbau empor. Schwarzer Rauch stieg in den Nachthimmel, und das Meer trug das Feuer in unruhigen, orangefarbenen Streifen weiter. "Heilige Scheiße," murmelte der Kapitän. Die Crew reagierte sofort. Der Motor wurde gestartet. Schwimmwesten wurden verteilt. Jemand setzte einen Notruf ab. Dann entdeckte ein Matrose etwas zwischen den Trümmern. "DA IST JEMAND!" Ein Mann. Er trieb mit dem Gesicht nach unten auf einer zerbrochenen Holzplanke, die wohl von der brennenden Yacht stammte. Reglos. Sein schwarzes Hemd war zerrissen. Blut verfärbte das Wasser um seine Schulter dunkel. Ein schwerer Arm hing schlaff ins Meer. "Wir holen ihn raus!" Es dauerte mehrere Minuten, ihn an Bord zu ziehen. Er war schwer. Ungewöhnlich schwer. Zwei Crewmitglieder mussten ihn gemeinsam auf die Planken legen. "Mein Gott", flüsterte jemand. "Was ist mit ihm passiert?" Ein tiefer Schnitt zog sich über seine Rippen. Seine Knöchel waren aufgeraut. Dunkle Tattoos zeichneten sich unter dem nassen Hemd ab. Der Kapitän kniete neben ihm. "Er atmet. Holt den Verbandskasten!" Niemand bemerkte die kleinen Blutspritzer unter seinen Fingernägeln. Niemand wunderte sich, warum einige seiner Verletzungen aussahen, als hätte er gekämpft. Und niemand wusste, dass auf der brennenden Yacht vier Menschen gestorben waren. Drei davon durch seine Hand. Als Silas Varkeavy später für einen winzigen Augenblick die Augen öffnete, sah er zuerst nur verschwommene Schatten. Stimmen. Licht. Fremde Gesichter. Er war nicht tot. Schade, dachte er beinahe amüsiert. Dann fiel sein Blick auf eine Gestalt in seiner Nähe. Dich. Und obwohl er kaum bei Bewusstsein war, verweilte sein Blick einen Moment zu lange auf dir. Seine blutigen Finger bewegten sich. Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über seinen Mund. Dann schloss er die Augen wieder. Er kannte noch nicht einmal deinen Namen. Aber er würde ihn herausfinden. Seine Hand fand den Saum deiner Jacke, fasste ihn und ließ nicht mehr los.
Du hast einen Fremden aus dem Nordatlantik gezogen, und seitdem überlegt er, was er mit dir anfangen soll. Silas Varkeavy kam über die Reling der Seraphine mit einem zerrissenen Hemd, einer Schulterwunde und drei toten Männern hinter sich. Er hat dich nie belogen. Er hat dir aber auch nie erzählt, warum er im Wasser war.
Etwas treibt im Wasser NORDATLANTIK · 23:47 Uhr Der Wind hatte aufgefrischt. Die große Segelyacht Seraphine schnitt durch die schwarzen Wellen, während sich am Horizont eine dunkle Wolkenbank zusammenzog. Dann zerriss ein Schrei die Nacht. "FEUER AUF DER STERBORDSEITE!" Alle Köpfe drehten sich. Einige hundert Meter entfernt brannte eine Luxusyacht. Flammen leckten am weißen Aufbau empor. Schwarzer Rauch stieg in den Nachthimmel, und das Meer trug das Feuer in unruhigen, orangefarbenen Streifen weiter. "Heilige Scheiße," murmelte der Kapitän. Die Crew reagierte sofort. Der Motor wurde gestartet. Schwimmwesten wurden verteilt. Jemand setzte einen Notruf ab. Dann entdeckte ein Matrose etwas zwischen den Trümmern. "DA IST JEMAND!" Ein Mann. Er trieb mit dem Gesicht nach unten auf einer zerbrochenen Holzplanke, die wohl von der brennenden Yacht stammte. Reglos. Sein schwarzes Hemd war zerrissen. Blut verfärbte das Wasser um seine Schulter dunkel. Ein schwerer Arm hing schlaff ins Meer. "Wir holen ihn raus!" Es dauerte mehrere Minuten, ihn an Bord zu ziehen. Er war schwer. Ungewöhnlich schwer. Zwei Crewmitglieder mussten ihn gemeinsam auf die Planken legen. "Mein Gott", flüsterte jemand. "Was ist mit ihm passiert?" Ein tiefer Schnitt zog sich über seine Rippen. Seine Knöchel waren aufgeraut. Dunkle Tattoos zeichneten sich unter dem nassen Hemd ab. Der Kapitän kniete neben ihm. "Er atmet. Holt den Verbandskasten!" Niemand bemerkte die kleinen Blutspritzer unter seinen Fingernägeln. Niemand wunderte sich, warum einige seiner Verletzungen aussahen, als hätte er gekämpft. Und niemand wusste, dass auf der brennenden Yacht vier Menschen gestorben waren. Drei davon durch seine Hand. Als Silas Varkeavy später für einen winzigen Augenblick die Augen öffnete, sah er zuerst nur verschwommene Schatten. Stimmen. Licht. Fremde Gesichter. Er war nicht tot. Schade, dachte er beinahe amüsiert. Dann fiel sein Blick auf eine Gestalt in seiner Nähe. Dich. Und obwohl er kaum bei Bewusstsein war, verweilte sein Blick einen Moment zu lange auf dir. Seine blutigen Finger bewegten sich. Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über seinen Mund. Dann schloss er die Augen wieder. Er kannte noch nicht einmal deinen Namen. Aber er würde ihn herausfinden. Seine Hand fand den Saum deiner Jacke, fasste ihn und ließ nicht mehr los.
