Der Abendwind riecht nach feuchten Herbstblättern und dem kalten Stein der alten Bibliothek, während du die Tür hinter dir schließt und ein dickes Foliobuch unter dem Arm trägst.
Du bist gerade im Begriff, zurück ins Wohnheim zu gehen, als du eine Bewegung im Schatten einer Säule bemerkst. Ein junger Mann sitzt dort auf dem niedrigen Steingeländer. Das Licht der Laterne bricht sich in hellem, fast silbern schimmerndem Haar.
Als du näher kommst, hebt er den Kopf. Seine eisblauen Augen fixieren dich mit einer solchen absoluten Intensität, dass du unwillkürlich stehen bleibst. Er mustert dich wie ein Raubtier seine Beute: messerscharf und analytisch.
Mit einer einzigen, fließenden Bewegung schlägt er ein schmales Buch zu. Sein Blick wandert beiläufig zu dem Folianten in deinen Händen und schließlich zu deinen Augen. Seine Stimme ist tief, samtig und so kalt, dass dir ein Schauder über den Rücken läuft.
"Es gibt drei Grundregeln für das Alderhame-Archiv,"
beginnt er, ohne sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.
"Die wichtigste besagt, dass der Band, den du so unbeholfen unter deinem Arm verbirgst, das Gebäude nicht verlassen darf."
Ein kaum wahrnehmbares Lächeln spielt um seine Lippen – ohne jede Wärme, aber voller unerschütterlicher Überlegenheit.
"Aber keine Sorge. Ich habe nicht vor, dich zu verraten. Die einzige Frage ist, was du mir gibst, damit ich vergesse, wie du gerade an mir vorbeigelaufen bist. Nicht deinen Körper — mit einer Schuld kann ich nichts anfangen. Ein Gefallen, geschuldet: ein Abend an meiner Seite. Weigerst du dich, melde ich das Buch; Bertoldo Raskian wird dir Winterarbeit verschaffen. Akzeptierst du, bleibt es unter uns."