Samstag, 18:38 Uhr
Das Marisma-Stadion war komplett ausverkauft.
Mehr als fünfzigtausend Menschen füllten die Tribünen, während die Spieler ihre letzten Aufwärmübungen absolvierten.
Die riesigen Bildschirme zeigten die Aufstellungen.
Die Musik wummerte durch die Lautsprecher.
Und Amaia Telleria sah aus, als würde sie ihre Stimme verlieren, bevor das Spiel überhaupt angefangen hatte.
"OH MEIN GOTT, ICH BIN SO NERVÖS!"
Die Blonde zupfte ihr Trikot zurecht, bevor sie dich ansah.
"Ich schwöre, wenn mein Bruder noch einen Elfmeter verschießt, tu ich so, als kenne ich ihn nicht."
Sie brach in Lachen aus.
"Allerdings wird mich meine Mutter wahrscheinlich verstoßen, bevor sie mich das machen lässt."
du trugst ein ziemlich großes Trikot, das Amaia dir vor dem Aufbruch geliehen hatte.
Es war schwarz, mit goldenen Details.
Auf dem Rücken stand die Nummer neun.
BENNETT.
—Übrigens —bemerkte Amaia, während sie in ihrer Tasche kramte—, nach dem Spiel gehen wir mit den Jungs essen.
Sie sah auf.
"Nicht das Gesicht. Du hast versprochen, mitzukommen."
Währenddessen, auf dem Spielfeld…
"HEY, BENNETT!"
Iñigo stoppte den Ball unter seinem Fuß.
Sein Teamkollege Félix Arriaga stand neben ihm mit einem verdächtigen Lächeln.
"Seit wann hast du eine Freundin?"
Iñigo runzelte die Stirn.
"Wovon redest du da eigentlich?"
"Tu nicht so."
Félix zeigte auf eine der Tribünen in der Nähe des Spielertunnels.
"Da drüben. Neben deiner Schwester."
Iñigo folgte seinem Blick.
Zuerst fand er Amaia.
Es war unmöglich, sie nicht zu erkennen.
Sie winkte mit den Armen, als wolle sie persönlich die Mannschaft anfeuern.
Doch dann sah er auch das Mädchen neben ihr stehen.
Ihr Haar bewegte sich leicht im Wind.
Ein schwarzes, viel zu großes Trikot.
Und als sie sich zu Amaia drehte, konnte Iñigo die Nummer auf ihrem Rücken erkennen.
- BENNETT.
Er blinzelte.
"Was…?"
Félix fing an zu lachen.
"HA! Wir haben dich erwischt!"
Eloy Ochoa, ein weiterer Stürmer, kam dazu.
"Was ist los?"
"Telleria hat ein mysteriöses Mädchen auf der Tribüne."
"Ernsthaft?"
Eloy sah sofort dahin, wo Félix hinzeigte.
"Wow."
Er lächelte.
"Sie ist umwerfend."
Iñigo gab ihm einen leichten Schubs gegen die Schulter.
"Hör auf zu glotzen, Idiot."
Eloy hob beide Hände.
"Ganz ruhig, Romeo."
"Sie ist nicht meine Freundin."
—Und wer ist sie dann? —fragte Félix.
Iñigo schaute wieder zur Tribüne.
Amaia hatte gerade etwas zu der Fremden gesagt und beide fingen an zu lachen.
"Keine Ahnung."
Félix prustete los.
"Warte mal, warte mal. Du weißt nicht, wer das Mädchen ist, das dein Trikot trägt?"
"Hab ich doch gerade gesagt."
"Bruder, das ist genial."
Eloy grinste über beide Ohren.
"Na schön, wenn das nicht deine Freundin ist, kannst du sie mir ja vorstellen."
Iñigo sah ihn an.
"Ich kenne nicht mal ihren Namen."
"Umso besser. Dann haben wir wenigstens ein Gesprächsthema."
Félix lachte.
"Ganz ruhig, Telleria. Das regeln wir schon."
Iñigo rollte den Ball unter seinem Fuß.
"Ihr zwei seid unausstehlich."
Doch bevor er zum Training zurückkehrte, blickte er noch einmal nach oben.
Genau in diesem Moment schien Amaia ihn von der Tribüne aus zu erkennen.
Seine Schwester lächelte verschmitzt.
Dann zeigte sie auf dich.
Und streckte beide Daumen nach oben.
Iñigo verengte die Augen.
"Nein…"
Félix beobachtete ihn.
"Was?"
Iñigo schüttelte langsam den Kopf.
"Ich kenne dieses Gesicht."
"Welches Gesicht?"
"Das Gesicht, das meine Schwester macht, wenn sie vorhat, mein Leben zu ruinieren."
Die Pfeife des Trainers unterbrach das Gespräch.
"BENNETT! HÖREN SIE AUF, AUF DIE TRIBÜNE ZU SCHAUN UND KONZENTRIEREN SIE SICH!"
Die Spieler fingen an zu lachen.
Iñigo hob die Hand.
"ICH KOMME!"
Bevor er ging, klopfte Félix ihm auf den Rücken.
"Viel Glück, Romeo."
"Fahr zur Hölle."
Iñigo ging zurück auf seine Position.
Doch jetzt kreiste eine Frage in seinem Kopf.
Wer war das Mädchen, das plötzlich neben seiner Schwester mit seinem Trikot aufgetaucht war?
Und vor allem: Warum sah Amaia so zufrieden aus?
Auf der Tribüne…
Amaia steckte ihr Handy weg und drehte sich mit einem viel zu unschuldigen Lächeln zu dir.
"Übrigens, da gibt es etwas, das ich dir noch sagen wollte."
Sie beugte sich ein Stück zu ihr hinüber.
"Mein Bruder will dich nach dem Spiel kennenlernen."
Sie hielt kurz inne.
"Also… technisch gesehen hat er mir das noch nicht gesagt."
Sie lächelte noch breiter.
"Aber ich kenn ihn. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er wissen will, wer du bist."