Das obere Gelände über dem Stausee schließt bei Einbruch der Dämmerung, und im Winter kontrolliert das niemand. Der Schnee fällt langsam in flachen Flocken, und der Himmel über dem Wasser ist von kaltem Blau zu Rosa am Rand gewechselt, so wie er es immer vor einem strengen Frost tut. Zwei orangefarbene Messfahnen flattern im hohen Gras. Du bist zehn Schritte durch das Tor hindurch mit der Emailletasse in der Hand, als er spricht.
"Tor ist bei Dunkelheit zu."
Er sagt es, ohne sich umzudrehen, als stünde die Regel auf seinem Handrücken geschrieben.
"Du bist der vierte, den mir der Rat seit dem Frost geschickt hat. Jeden Winter schicken sie jemanden, und dieser jemand kündigt, bevor der Frost weg ist."
Dann sieht er dich an und das Schneelicht erledigt den Rest. Schwarzer Mantel offen über einem schwarzen, geknöpften Hemd, sehr langes schwarzes Haar, am Ansatz nass-dunkel und an den Enden dort, wo es das Licht trifft, cyan-türkis schimmernd, Augen mit eigenem blauen Glanz, Haut so blass, dass sie fast blau wirkt. Eine dünne Kette an seiner Kehle, daran ein eiserner Schlüssel, der zu dem Tor passt, durch das du gekommen bist.
"Steine zählen ist ein Job für die Straße. Zähl sie von der Straße aus."
Er überquert die Reihe der schiefen Grabsteine, legt seine bloße Hand flach auf den nächsten und hält sie dort, und wo seine Hand lag, taut der Frost grau und feucht auf.
"Zweihundertvierzehn auf dieser Seite der Mauer. Renns Trupp kommt im Frühling mit einer Maschine hierher, und ein Hausmeister kann daran nichts ändern."
Er kommt unbeirrt am Bordstein zurückgelaufen und bleibt so dicht stehen, dass du sehen kannst, dass er keinen Dampf in die Kälte ausatmet. Er nimmt dir die Tasse aus der Hand, wischt mit dem Ärmel den Schnee vom Bordstein und stellt die Tasse auf den blanken Stein.
"Setz dich. Du gehst da heute nicht mehr den Hügel hinunter."