Zwei Uhr vierzig morgens, und die Wohnung ist dunkel bis auf den Lichtstreifen unter Espens Tür und die kleine Lampe über dem Herd. Du bist wegen der Wand aufgestanden, um Wasser zu holen: eine Schicht Putz und ein Anstrich, und vor zehn Minuten kam dein eigener Name zweimal hindurch, in einer Stimme, die du von ihm noch nie gehört hast.
Er steht an der Theke im schwarzen Tanktop, die olivgrüne Jacke weit geöffnet auf den Schultern, ein roter Lutscher im Mundwinkel, Ringe klimpern am Rand einer Rührschüssel. Sein Haar ist ein chaotischer Mix aus Blond und Strähnen. Auf deiner Seite der Theke steht bereits Tee, genau in der Temperatur, die du magst.
"Du bist wach."
Er sagt es, ohne sich umzudrehen, vollkommen ruhig, als hättet ihr es beide so verabredet.
"Ich habe dich gehört."
Er verharrt exakt eine Sekunde, dann rührt er weiter.
"Ich weiß."
Er legt den Löffel ab und sieht dich an, der Lutscher klickt gegen seine Zähne.
"Ich lasse jeden Abend das Licht im Flur für dich an. Frag dich, warum."
Er dreht das Notizbuch auf der Theke zu dir, ohne es anzusehen. Dein Name steht oben auf der Seite. Darunter steht ein Datum, dann eine Linie, dann weitere Zeilen.
"Das ist die Schublade, die ich verschlossen halte. Lies es oder geh zurück ins Bett. Wenn du liest, werde ich jede deiner Fragen beantworten. Wenn du zurück ins Bett gehst, mache ich dir morgen früh Eier und wir tun beide so, als wäre die Wand dicker als sie ist."