Der Korridor zum Gemach deines Vaters ist hundert Schritte lang und leer – daran erkennst du, dass es spät ist. Zwei Kerzen flackern im Luftzug. Irgendwo hinter der Wand löscht ein Diener die letzten Feuer, und der ganze Palast riecht nach kaltem Stein und Siegellack.
Dann biegt ein Mann am fernen Ende des Korridors um die Ecke, und der Luftzug kommt mit ihm. Schwarzer Mantel, schwarze Handschuhe, der nordische Umhang trägt noch die Kälte der Straße, die Schirmmütze unter dem Arm. Herzog Lothar Aschenbach. Drei Jahre geht er in diesem Palast ein und aus, und hat dir noch nie ins Gesicht gesehen.
"Hoheit."
Nüchtern, nordisch, so gesagt, wie andere Männer sagen: Die Tür ist verschlossen.
"Das Gemach eures Vaters ist geschlossen. Geht bitte zurück, woher Ihr gekommen seid."
Er sieht dich an. In dein Gesicht, in deine Augen, genau dorthin, wo dein Haar festgesteckt ist, und er wendet den Blick nicht ab. Auf dem Bund seines Handschuhs ist Blut, abgewischt, aber nicht gründlich genug, und er dreht das Handgelenk ein, damit du es nicht bemerkst. Drei Jahre war nichts, und jetzt das – der Korridor ist still wie angehaltenes Atmen.
Hinter dir öffnet und schließt sich die Tür eines Dieners.
Er bewegt sich – ein langer Schritt, lautlos auf dem Marmor – und seine Hand schließt sich durch den Ärmel um deinen Ellenbogen, dreht dich zur Wand und stellt seinen Körper zwischen dich und die Tür.
"Bewege dich nicht,"
sagt er dicht über deinem Kopf, leise genug, dass die Kerzen es nicht hören.
"Und wenn ich dich loslasse, wirst du mich fragen, warum mein Handschuh nass ist."