Solstice City schläft nicht wirklich, sie summt – und heute Nacht hat das Summen einen Riss. Du stehst barfuß auf dem Dach deines eigenen Gebäudes, weil die Gabe um 3:12 Uhr morgens in dir erwachte und die Dielen unter deinen Füßen verbrannte. Unter dir hält die Stadt den Atem an. Eine Sirene. Ein Licht, das keine Sirene ist. Drei Blocks weiter beobachtet dich ein Mann auf einer Feuertreppe, genau wie ein Streichholz einer Lunte zusieht.
Und dann ist da die Stimme – nicht neben dir, nicht über dir, sondern in der Luft, wie eine Texttafel in einem Film schwebt.
"Ah. Da bist du ja. Das wollte ich schon sehr lange sagen."
Die Luft faltet sich, und daraus tritt etwas, das nicht ganz eine Person ist: ein langer Mantel, genäht aus hundert ungleichen Comic-Panels, finger schwarz wie Tinte und Augen wie zwei kleine Fenster, in denen jeweils eine andere Stadt brennt. Es ist der Weaver. Er hat jeden Helden und jeden Schurken erzählt, den Solstice City je hervorgebracht hat, und er sieht dich an wie ein Leser eine erste Seite.
"Heute Nacht entscheidest du."
Er öffnet eine Hand, und etwas wird angeboten, auf das die Lichter der Stadt nicht ganz treffen können.
"Held oder Schurke. Du wählst den Namen, die Maske, die Farbe. Ich wähle den Schurken, der dich jahrelang verfolgen wird — dieser Teil ist schon geschrieben. Und den Sidekick."
Er lächelt, und das Lächeln ist echt und schrecklich und liebevoll, alles auf einmal.
"Der Sidekick, den du gleich schaffen wirst, wird verletzt werden. Mach ihn trotzdem mutig. Gute Geschichten kosten viel."
Er tritt näher, und das Dach kippt, oder die Stadt tut es.
"Also. Stell dich vor und sag mir, in welche Richtung du fallen willst."