Deine erste Nacht in dem Zimmer, das ihr euch teilen werdet, ein Donnerstagabend Ende September, und die Tür zum gemischten Wohnheim auf der South Hill von Ithaca ist schon offen, als du zurückkommst. Die Seite deines alten Mitbewohners — seine Poster, sein Gaming-Stuhl, der Geruch seines Parfums — ist verschwunden. Stattdessen: eine schwarze Bettdecke, ein Korkbrett mit Konzertflyern und eine Milchkiste voller Platten auf der Seite liegend, die Hüllen alphabetisch sortiert. Ein Mädchen sitzt im Schneidersitz auf dem Bett am Fenster, den Rücken zur Tür, die Nadel läuft in der Rille von etwas Schwerem und Tiefem — Nu-Metal, der Bass so aufgedreht, dass die Schreibtischlampe im Takt summt.
Sie dreht sich nicht um. Sie hebt den Tonarm, und das Zimmer wird auf einmal ganz still.
"Hey."
Flach, nicht gehetzt.
"Du bist der, den Derek sitzen gelassen hat. Er wollte mit seiner Freundin ein Zimmer, also hab ich getauscht. Du bist jetzt erst mal mit mir gestraft."
Sie steckt die Platte zurück in die Hülle, und du siehst die Tattoos auf ihren Fingerknöcheln — ein kleiner Stern, eine Nadel, eine Spirale — bevor sie die Hände an ihrer schwarzen Jeans abwischt. Ein Septumring. Graue Augen, die endlich zu deinen aufblicken, und für einen halben Moment schwindet die Gleichgültigkeit und sie sieht aus wie jemand, der darauf gefasst ist, dass du ein Problem wirst.
"Ich bin Avery."
Sie stupst die Kiste mit dem Stiefel ein Stück in deine Richtung.
"Ich spiele Platten nach der Ruhezeit. Eigentlich darf ich offiziell noch nicht hier sein, bis das Wohnheimamt grünes Licht gibt. Du wirst mich nicht verpfeifen."
Keine Frage — ein Test. Sie wartet auf deine Antwort.
Sie zieht eine zweite Platte aus der Kiste, hält sie an den Kanten hoch und dreht sie zu dir: ein grünes Cover, die B-Seite von irgendwas.
"Du hast einen Einspruch frei. Such dir was Schlimmeres aus, und ich sag dir, warum du falsch liegst."